Was bringt es Kinder zu schlagen? (Die Folgen von gewaltloser Erziehung)

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Mein Baby wurde als Rennfahrer geboren

Mein Baby wurde als Rennfahrer geboren

Mein Kind soll gut aufwachsen, glücklich werden, es soll die Möglichkeit haben, ein ausgeglichenes Wesen zu werden. Dabei ist der Umgang mit Kleinkindern allerdings äußerst schwierig, denn unsere Anliegen verstehen Kinder sehr selten.

Als mein Baby ein Baby war entschied ich, mein Baby so gut wie möglich zu “erziehen”, obwohl ich nicht genau wusste, was das heißt. Ich ließ sie nicht schreien, trug sie oft im Tragetuch, stillte nach Bedarf und schlief mit ihr im Familienbett. Ich halte dies für die richtige Erziehung. Es war eine schöne Zeit und ich bin mir sicher, dass meine Tochter so viel Vertrauen und Sicherheit gespürt hat. Es gab allerdings Situationen, in denen ich ähnlich wie ein Vulkan brodelte, aber im Gegensatz zu mein Baby nicht explodierte. Mein Kleinkind hielt es wohl für ein gute Idee,  ihr Kinderbett, meine Vorhänge, den Teppich und den Schrank einzucremen (wahrscheinlich damit sie nicht so faltig wie Mama werden). Womöglich war das auch eine Kritik meiner ungebügelten Vorhänge. Und wie kam das? Nun so ein Kleinkind braucht dafür keine Ewigkeit, es reicht, wenn ich mal kurz auf die Toilette gehe oder manchmal auch, wenn ich mich nur kurz umdrehe. Im Nu hatten alle Sachen hübsche schmierige Fettflecken und die komplette Creme, welche nicht gerade günstig war, war leer. Wenn dann Mutti mit schockiertem Gesicht sprachlos vor seinem Kleinkind und Engel steht und dieses das entsetzte Gesicht nicht interpretieren kann, strahlt Kleinkind Mama glücklich an und verweist auf seine neu erschaffene Cremekunst wie wohl auch Picasso stolz auf seine Bilder war. Ungefähr so wie in folgendem Babyvideo:

Tja Mutti pfiff also schon aus den Ohren wie ein Dampfkessel und machte mit allem mütterlichen Verständnis mit mein Babys “produktiver Hilfe” (die darin bestand die Creme richtig in die Sachen reinzurubbeln) das Zimmer sauber. Dabei versuchte Mama ganz vernünftig die kreative Crememalerei in der Art und Weise eines wohlwollenden Kunstkritikers zu interpretieren. Es sind Kleinigkeiten wie diese, die das Fass zum Überlaufen bringen können, denn eigentlich sind es ja nur materielle Güter. Hätte es was gebracht, wenn ich wie in den guten, alten Zeiten mein Kleinkind übers Knie gelegt und ihr den Hintern versohlt hätte? Ich habe mir geschworen, dass ich selbst in noch so unschönen Momenten keinesfalls gewalttätig werde und mein Kleinkind auch nicht anschreie. In einem Video mit der multiplen Persönlichkeit Liza Stein werden die Folgen solcher sinnlosen Gewaltexzesse deutlich. Dort wurde die kleine Marte für Tage in einen Keller gesperrt, weil sie einen Apfel aß.


Nun gut darum geht es vielen Eltern nicht, sondern darum ihr Kind zu erziehen. Zwar habe ich auch noch nicht das Konzept gefunden, wie ich meinem Kind die Lausbubenstreiche austreibe, allerdings halte ich Schimpfen, Brüllen, Schreien und Schlagen für kontraproduktiv und schädlich. Ich will ja, dass mein Kleinkind Dinge irgendwann vernünftig wertet und nicht als erstes Gewalt erlernt (und damit meine ich auch verbale Gewalt). Dies war  ja nur eine Kleinigkeit (in den Augen meiner Tochter), Dinge haben für Kinder noch keinen Wert, außer, dass sie Spielzeug sind und mein Kleinkind hatte sicherlich nichts Böses im Sinne und selbst wenn, ich hätte mich erstmal gefragt, ob der Fehler an meinem Umgang mit ihr liegt. Ich habe natürlich dennoch meinen Missmut mit der Situation zum Ausdruck gebracht und ihr zukünftige Eincremeaktionen dieser Art verboten, aber letztlich war es mein Fehler. Wenn ich beispielsweise eine Dose Tabletten liegen gelassen hätte und mein Kleinkind diese geplündert hätte, wäre es auch mein Fehler gewesen. Wie aber Kinder nun erziehen?

Gewalt ist ein gängiges Erziehungsmittel in manchen Familien

Ein Fehltritt, ein kindlicher Irrtum, eine kindliche Dummheit und das Fass ist für manche Eltern voll. So kann es sein, dass ein Kind sein Spielzeug nicht augenblicklich mit dem Rüpel vom Spielplatz teilen will, dass es nicht sofort wie ein dressierter Hund auf Befehl hört, dass es etwas fallen lässt oder sich mit dem anderen Mädchen um das rote Bobbycar streitet. Zwei Mütter, die ich kennengelernt habe, reagierten auf all dies mit lautem, aggressiven Gebrüll, “leichten” Schlägen an den Kopf und Liebesentzug. Die Kinder wussten allerdings oftmals nicht wie ihnen geschieht, waren aber deutlich aggressiver gegenüber mein Baby. Hier zeichnet sich bereits ab, dass sie nicht die intendierten Verhaltensweisen der Eltern erlernen, sondern die Verhaltensweisen der Eltern selbst: nämlich Schreien, Brüllen und Gewalt. Zur Gewaltlosigkeit unserer Kind und ihrer Vernunft brauchen wir selbst viel Geduld und unsere Kinder werden viel Unfug auf dem Weg dahin machen spätestens aber, wenn sie selbst Kinder haben, werden sie dazu erzogen sein, dies nicht mehr zu machen. Erziehung ist kein Prozess von jetzt auf gleich, sondern eine langer Weg geprägt durch das Verständnis der Eltern. Prügel haben nur kurzfristige Erfolge bringen sie aber nicht zur Vernunft.

Eine andere Mama, die ich im Spielkreis kennen lernte, haute ihrem Kind bei jeder Grenzüberschreitung sofort auf die Finger. Das arme Seelchen war nicht mal zwei Jahre alt und wurde ständig von seiner Mutter aufgefordert, herzukommen um sich ein paar auf die Finger geben zu lassen. Leider ließ sie sich nicht davon überzeugen, dass solch eine “Pädagogik” nicht fruchtbar ist. “Er muss es ja lernen” waren ihre Worte, die sie im Replaymodus abspielte und so muss der Kleine wahrscheinlich noch heute “lernen”, dass Rennen, lautes Lachen und Wütendsein alles sehr schlechte Dinge sind.

Ist Schweden ein Vorbild für gewaltlose Erziehung?

 

Worüber wir hier diskutieren, haben die Schweden wohl auch Dank von Astrid Lindgrien längst gelernt. Dort ist es verboten seine Kinder zu schlagen, es ihnen anzudrohen oder sie psychisch zu verletzten. Und die Mutter aus dem Spielkreis wäre dort (wie aus dem folgenden Video ersichtlich) für 10 Monate hinter schwedische Gardinen gekommen und würde nun mit elektronischer Fußfessel ohne Kinder auf dem Spielplatz sitzen. Dieses Gesetz wird wohl nirgends so stark durchgesetzt wie in Schweden, auch wenn über die harten Konsequenzen der Bestrafung diskutiert werden kann (denn dieses ist auch sehr geprägt von Gewalt). Diese Gesetzgebung gilt in Schweden schon seit 30 Jahren. Für Schwedische Eltern ist es völlig realitätsfern, seine Kinder zu schlagen. Einige Eltern fürchten jedoch, dass mit dem verweichlichten Erziehungsstil eine Grenzenlosigkeit einhergeht. Und wenige behaupten sogar, dass Kinder Gewalt als Erziehungsmittel brauchen. Wer nun mehr darüber erfahren möchte, dem kann ich eine Dokumentation von Arte dazu empfehlen. Dort wird ein wenig bei den Schweden nachgeforscht, wie es denn so aussieht bei der Kindererziehung und wie sie mit dem Gesetz zurecht kommen.

Warum Gewalt die falsche Antwort auf unerwünschtes Verhalten ist

Kinder sind keine fertigen Erwachsenen, Kinder machen Dinge unüberlegt, aus einem Impuls heraus oder weil sie auf den Umgang reagieren, mit dem wir sie behandeln. Lügt ein Kind, hat dies entweder den Grund , dass es noch nicht genau zwischen Wahrheit und Erfundenem unterscheiden kann. Dies ist meist im Alter bis 5 Jahren der Fall. Aber sie können auch aus Angst vor Bestrafung lügen. Folgt auf eine Lüge nochmal eine Strafe, dann verschlimmert sich die Lügerei. Gewalt verstärkt die schlechten Eigenschaften und verbessert sie nicht. Nur Vernunft und Gespräch können dies in einer langfristigen Beziehung bewirken. Wenn ein Kind geschlagen wird oder psychische Gewalt erlebt, dann folgen Verhaltensauffälligkeiten, die von den Eltern dann als schlechtes Benehmen oder bösartiger Wille aufgenommen werden. Gewalt aber macht aggressiv und erfüllt mit Hass und nicht mit Respekt. Der augenscheinliche Respekt ist Angst und sollte Eltern eher erschüttern als zufrieden machen.

Welche Alternative gibt es  zur Gewalterziehung?

Kinder wollen Teil der Gemeinschaft sein, dies zeigen sie sehr deutlich. Wenn sie klein sind ahmen sie Tätigkeiten von Erwachsenen nach, sie spielen Rollenspiele nach, in denen sie die Erwachsen sind. Sie beobachten genau, um zu lernen, wie man sich in der Gesellschaft verhält und was normal ist. Kindern muss man also keine Verhaltensegeln einprügeln, sie wollen sie ganz von alleine lernen. Dieses könnt ihr im Spiel mit ihnen üben und ihnen richtig vorleben. So wie ich auch schon in mehren Beiträgen zur Selbsterziehung dargestellt habe, verbessert ihr euch nicht durch moralische Grundsätze (jeden Tag Sport, weil das super toll ist), sondern nur dadurch, dass ihr dieses nach und nach als Gewohnheit einstudiert. Höfliches Verhalten, Vernunft und Respekt müssen daher auch zur Gewohnheit von Kindern werden und nicht Gewallt. Natürlich sind Kinder keine perfekten Erwachsenen, sie sind nicht mit allen gesellschaftlichen Gepflogenheiten vertraut und sind nicht immer Herr über ihre Gefühle. Unproblematische wird diese Erziehung daher nicht.

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