Warum bei meinem Baby um null Uhr noch Caillou läuft? Fernsehbeichte einer Rabenmutter

Von Pusteblumenbaby. Abgelegt unter Mamas Erziehung  |   
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Wir sind Flimmerkistenfreundlich eingestellt :)

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Mein Kleinkind, der Caillou Fan

Mein Kleinkind bekommt abends immer seinen Caillou-Rappel. Sie freut sich mittlerweile auf die allabendlichen Geschichten um den normalsten Normalo-Jungen, der so brav ist, dass er später selbst im tiefsten Ghetto an einer verlassenen Kreuzung bei Rot an der Ampel warten würde. Der Junge ist so langweilig, dass er seiner Oma am Sonntag beim Stricken hilft. Ich weiß nicht, was mein Baby an diesem Typen, der durchschnittlicher als der Durchschnitt ist, findet und eigentlich habe ich etwas gegen Schwiegermutter-Typen, was mich allerdings vor die Einsicht bringt, dass ich ja die Kakteen-Schwiegermutter bin. Eigentlich bin ich da eher für eine Mischung, sowas wie ein Rocker, der Sport und Literatur-Lehrer ist, sich Bio-Tatoos stechen lässt und der eine Harley Davidson besitzt, die er mit Stützrädern ausgestattet hat.

Gestern hat mein Kleinkind also wieder seinen Traumboy hintergeschaut, allerdings ist das Ganze etwas aus dem Normalen geraten. Mein kleines Kind fängt immer mit Kopf zu wackeln, sobald die Caillou-Musik ertönt und zeigt laut auf den Bildschirm und ruft “ja”. Oftmals bin ich dann schon sehr müde, klar ich ratze ja auch nicht nochmal mittags wie mein Baby für drei Stunden. Ich legte mich also schon mal probeweise ins Bett und zu einer richtigen Probe gehörte dann natürlich auch, dass ich nur Probe halber mal die Augenlieder schließe. Ich schloss also meine Augenlieder und machte sie wieder auf und sah, wie mein Baby gebannt auf den Caillou-Bildschirm starrte. Mein Baby machte es sich ebenfalls gemütlich, zog die Bettdecke zu sich und starrte weiterhin auf den Bildschirm. Da dachte ich: “Ach, da schließe ich doch meine Augen nochmal (nur probehalber versteht sich)”. Als ich dann nach circa drei Stunden meine Augen nach dieser Probe öffnete, saß mein Kind immer noch gebannt vor dem Bildschirm und wir hatten es mittlerweile halb eins in der Nacht. Als ich sie erschrocken ansprach, ob sie immer noch Caillou schauen würde, lachte sie nur und zeigte freudig auf den Bildschirm, nahm den Schnuller aus dem Mund und rief “Da!”.

Mein Kleinkind hat also bis tief in die Nacht fröhlich seine Sendung geschaut. Gut fand ich das nicht, allerdings war ich ja selbst schuld. Mama wird sich von nun an nicht mehr probehalber ins Bett legen, wenn der “Fernsehr” noch läuft. Natürlich gab es dann Geschrei als mein Kind nicht noch bis um vier Caillou weiterschauen durfte.

Kleinkinder und der Fernseher

Eigentlich müsste ich als richtige, alternative Öko-Mutti, die Wäsche nur mit Waschnuss wäscht, die Kinder grundsätzlich mit Urschrei im Wald gebärt und dazu noch mit seinem frischgeborenen Baby, seiner Nabelschnur und der gut verpackten Lotus-Plazenta im Familienbett schläft, eigentlich müsste ich als Ökomutti den Fernsehr verachten. Ich dürfte gar keinen bei mir im Zimmer stehen haben und müsste prinzipiell alle Elektronik aus dem Reich unserer positiven Energien verbannen.

Dennoch steht hier ein Fernseher bei mir im Zimmer. Es ist immer noch mein alter und erster Fernsehr, welchen ich zum 16. Geburtstag geschenkt bekommen habe. Als Beschäftigungstherapie für mein Kleinkind ist der Fernseher schon hilfreich, auch wenn ich denke, dass sie eigentlich viel eher in der Interaktion lernen sollte (zum Beispiel zusammen mit anderen Kindern). Beim Fernseher denke ich, ist das Hauptproblem, dass es wie bei Lernspielzeug nicht aktiv die Kinder miteinbezieht, sondern sie nur passiv teil haben lässt. Dies ist als würdet ihr vom Zuschauen Tanzen lernen wollen oder vom Hören einer Sprache, die Sprache sprechen lernen. Als Lernmedium ist es selten geeignet, es sei denn, es werden Geschichten gezeichnet, die tiefgründig und emotional erfassen, überraschen und den Horizont mit überraschenden Wendungen erweitern. Es geht darum keine Plattitüden zu produzieren. Leider ist dies beim Fernsehen sehr selten der Fall, denn wir haben es vorrangig mit Geschichten zu tun, die Menschen wie eine Tüte Chips süchtig machen und auf den oberflächlichen der Reiz der sehr eindeutigen Emotionen verweisen. Oftmals geht es nicht um große Entwicklungen in der Persönlichkeit oder moralische Dilemmata, sondern nur um Marketinggags, um unsere Kinder und uns an den Bildschirm zu fesseln.

Geschichten regen die Phantasie an.

Geschichten regen die Phantasie an.

Mein Kind schaut also Fernsehen, ich möchte allerdings Geschichten haben, die ihre Phantasie anregen, sie in andere Welten versetzt, die sie hoffen, träumen und sehnen lassen, die sie selbst zur Aktivität bringen wollen. Solche Geschichten sind leider sehr selten und die meisten Sendungen setzen nur darauf mit bunten Bilder die Aufmerksamkeit zu fesseln. Deswegen habe ich auch kein richtiges Beispiel, was ich euch nennen könnte. Vielleicht ist Arrielle die Meerjungfrau etwas, was Kinder in ihrer Phantasie beflügelt, auch einmalige Märchen, immer mit der Idee verbunden, dass sie dann auch im Alltag, Meerjungfrau sein möchte oder Prinzessin werden will. Ich habe in meiner Kindheit nachmittags in meinem Zimmer gesessen und mir vorgestellt, ich sei Pocahontas und auf  der Suche nach dem Prinzen von Cinderella.

Was ist also eine große Geschichte, die unsere Phantasie beflügelt. Ich glaube es sind Geschichten, an die wir uns noch 20 Jahre später erinnern und ich denke diese Geschichten können auch als kinderfreundlich gelten. In dieser Weise versuche ich auch das Märchen um mein Pusteblumenprinzesschen im Zworgenland aufzubauen. Leider kenne ich da nicht so viele von diesen Geschichten, was habt ihr denn dort so auf Lager? Was hat eure Phantasie in eurer Kindheit beflügelt?

So das war unsere sündige Medienkonsumbeichte für die Blogparade bei der lieben Testmama.

Alles Liebe

eure Maja

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  • Katrin

    Danke für den schönen Beitrag. Unser Kleiner (9 Monate) schaut zwar nicht wirklich Fernsehen, aber der Fernseher läuft schon manchmal wenn er mit im Raum ist. Habe gerade ein Bild gepostet, wo er vor dem Fußballfernsehen zu sehen ist :) LG Katrin

    • http://www.facebook.com/people/Maja-Mx/100002163270495 Maja Mx

      Er ist also schon in jungen Jahren ein Fußballfan :). Ich frage mich ob mein Kind später auch mal gerne einen Verein hinterherjubelt. :)

  • http://www.testmama.de/ Kerstin

    Und ich sitze nun hier und mir mag so recht nichts beflügelndes aus meiner Kindheit einfallen. Ich habe vage Skizzen aus Filmen im Kopf, bekomme aber weder die Geschichte noch den Titel hin. War Heidi beflügelnd? Hm.. Internatsgeschichten? Vielleicht die Ausgburger Puppenkiste. :) 

    • http://www.facebook.com/people/Maja-Mx/100002163270495 Maja Mx

      Was ist denn mit den Disney Filmen? :) Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die keine beflügelnden Gedanken hinterlassen haben :).

  • http://www.facebook.com/profile.php?id=100003646833115 Nadine Bosse

    oh das kenn ich…hab auch so eine kleine callilou-verehrerin daheim…bücher, dvd´s…früh ja nicht verschlafen um die sendung pünktlich anschauen zu können…versteh auch nicht was sie an dem klatzkopf findet…ohoh, ob das schon ein vorgeschmack ist, was sie in 14 jahren nach hause bringt …

  • Maja-Juli

    Phantasie wurde in meiner Kindheit  freigelassen bei Geschichten, die meine Mama mir erzählt hat. Rollenspiele waren da wohl ebenfalls sehr wichtig. Auch wenn ich als Kind  (gewiss nicht in so jungem Alter wie deine Tochter) viel ferngesehen habe, so hat mir das nichts gegeben, was mit Phantasie zu tun hat. Nein, da bin ich mir ganz sicher. Es sind eher die Bilder, die mein Kopf gemalt hat, während ich den zarten Worten meiner Mutter horchte. Kein Bilderbuch, kein Märchen und erst recht kein Fernsehen, schaffen das, was eine wirklich frei erzählte Geschichte anregt. Ich habe mir deine Geschichte von der Pusteblumenprinzesschen durchgelesen. Sie ist nett. Ja sie ist wirklich schön. Wenn man solche schönen Geschichten erzählen kann, frage ich mich ernsthaft, wie man 3 Stunden Caillou gucken mit dem Thema Phantasie in einen Post bekommt?!

    • http://www.facebook.com/people/Maja-Mx/100002163270495 Maja Mx

      Hallo Marzi,

      ich sehe das eigentlich genauso wie du. Ich denke auch, dass die Phantasie und Geschichten sehr wichtig sind, und sobald mein Kind sprechen kann, werde ich ihr auch noch mehr erzählen. Sie schaut abends ab und an mal Fernsehen und sie fasziniert das, was mir dann auch sehr gefällt. Natürlich glaube ich nicht, dass sie dabei viel lernt. Das würde ich auch nicht behaupten. Caillou ist im Moment noch eine neue Welt für mein Mädchen, aber ob das langfristig ausreicht oder ob es jetzt noch gut ist? ich weiß es nicht genau. Ich würde mir wünschen, dass sie mehr die Chance hätte mit anderen Kindern zu spielen. Gestern waren wir bei einer Freundin und da wäre sie an der Katze fast vor Freude in die Luft geflogen. Sowas muss ich ihr mehr geben und ich sollte abends nicht bei Caillou einschlafen, so dass sie das noch bis in die Nacht schaut.

      Danke für dein Kompliment für das Märchen, ich muss das mal endlich die Woche fortsetzen und darauf sollte ich mich auch konzentrieren :) 

      Schön dass du mal hier wieder vorbeischaust :)

  • http://www.babys-und-schlaf.de/ Mamaschlaflos

    Oh ja, diese Hin- und Hergerissenheit was das Fernsehen angeht kenne ich ;-) Ich denke auch das das Hauptproblem beim Fernsehen das Passive, das “nur” Konsumieren ist – wenn man versucht das ganze wenigstens sozial einzubetten (mit dem Kind gemeinsam schauen), Ideen aufgreifen etc. hat der Fernseher schon ein wenig von seinem Schrecken verloren.

    Und man muss das ganze immer pragmatisch sehen: in einem anderen Blog, den ich gerne lese habe ich heute diese Geschichte gefunden http://www.gregariouspeach.com/2012/03/12/on-early-mornings/

    Und Mama Miez hat vor einiger Zeit hier schon einmal kurz über eine ähnliche Situation berichtet: http://www.mamamiez.de/2012/01/31/alltagsdingsi-03-auf-in-den-tag/

    In diesem Sinne: auch Mütter brauchen mal ne Auszeit!

  • Daniela

    Meine Tochter (2) steht total auf Pippi Langstrumpf und michel! =) Auch auf Heidi! Das finde ich persönlich in Ordnung! =) Mein Mann findet das nicht so toll! Aber ich halte auch nichts davon sie komplett ohne Fernseh aufzuziehen! Liebe Grüße Dany

  • Daniela

    Ich freue mich, dass das also bei anderen auch so ist und mein schlechtes Gewissen ist schon ein kleines bißchen kleiner geworden.

    Mein Sohn (20 Monate) ist – nachdem Papa die Teletubbies verboten hat – begeistert von Trotro. Ich finde die Geschichten übrigens auch sehr süß!

  • Lotte

     Hey Maja, was Fernsehen angeht fand ich diesen artikerl ziemlich aufschlussreich:
    http://www.zeitenschrift.com/magazin/09061-manipulierte-menschen.ihtml
    Als Kind wurde meine Phantasie leider sehr negativ  vom Fernsehen beflügelt, denn ich hatte vor allen Dingen Angst zB vor den Dinos aus Jurassic Park ich weiss noch dass meine Eltern oft meinten wir seien alt genug um dieses oder jenes zu sehen aber irgendwie hatte es meist sehr schlimme auswirkungen auf mich, vielleicht bin ich auch einfach nur als Angsthase geboren?! naja ich denke also man sollte zumindest aufpassen dass das gesehene verarbeitet werden kann und keine traumata hinterlässt ;) Liebe Grüsse

  • Christinezervas

    Hahah …Ähnlich wie bei uns nur bis spät in die Nacht, ist noch nie passiert;)
    But i´am happy, dass andere Kinder auch mal dürfen…Ab und zu glotzen ist ok…