Unsere Mamabesserwisserblogs – Mal eine Meinung zum Kinderschlagen und warum wir darüber reden müssen

Von Pusteblumenbaby. Abgelegt unter Mamas Erziehung  |   
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"Beschütz mich Stern", ist nun immer mit dabei :)

"Beschütz mich Stern", ist nun immer mit dabei :)

Bin ich eine Mama, die weiß, wie die Dinge laufen? Auf keinen Fall. Es gibt wohl einige Punkte, zu denen ich allerdings eine Meinung habe. Das Stillen ist zum Beispiel nach WHO bis zum zweiten Lebensjahr empfohlen und Studien zeigen, dass es viele positive Folgen für das Kind hat. Eine Studie aus Freiburg konnte zum Beispiel nachweisen, dass Stillen vor Infektionskrankheiten schützt. Diese Erfahrung hat sich bei mir und meiner Tochter voll bestätigt. Zeitweise war unsere WG ein einziges Lazarett und eigentlich wäre es sogar gut gewesen, wenn mein Baby dann auch krank im Bett gelegen hätte. Sie aber eine unerschütterliche Gesundheit und ist den ganzen Tag auf mir nackt (im Winter) rumgeturnt. Ich glaube bis jetzt war meine Tochter einmal krank.

Stillen

Da ich also das beste für mich und mein Kind wollte, bedeutete es, dass das Stillen durchziehe und Widerstände in Kauf nehme. Genaueres zu diesen Widerständen Stillen hatte ich ja schon bei Chris von Sparbaby geschrieben. Nun kenne ich natürlich viele extreme Fallbeispiele, bei denen es beim besten Willen nicht ging. Diese Mamas füttern zu oder geben das Fläschchen und darin sehe ich kein Problem. Es gibt aber auch Mütter, die vor allem sagen, dass sie ihre Kinder nicht stillen, weil es ihnen zu anstrengend ist und sie vor allem noch Frau sein wollen. Bei diesen MüttÜern frage ich mich, warum sie sich dann für Kinder entschieden haben, wenn sie diesen geringen Gegenwind nicht verkraften und das Baby sofort ins Korn werfen.

Kinder schreien lassen und Kinder schlagen 

Zum zweiten halte ich es für wichtig, seine Babys nicht schreien zu lassen oder ihnen auch nicht schon von harter Hand das Erziehungs-Abc beizubringen. Auch hier zeigen Studien, dass dies vor allem der Gehirnentwicklung der Kinder schadet und diese so zum Beispiel viel eher später von Ängsten befallen werden und weniger Selbstbewusstsein haben. Auch hier sind Mütter, die vielleicht nicht aus Unwissen, sondern vor allem aus Faulheit ihre Kinder derart erziehen für mich nicht diskutabel.

"Neeinoo, Mama wir gehen hier lang"!

"Neeinoo, Mama wir gehen hier lang"!

Schließlich sind Eltern, die ihre Kinder schlagen, für mich nicht akzeptabel. Auch hier zeigt zum Beispiel netzwerkB die Konsequenzen. Kinder, die geschlagen werden, neigen zu geringerem Selbstbewusstsein. Eingeschüchtert sagen sie vielleicht seltener “nein” und haben tatsächlich weniger Wutanfälle (gut für die strenge Mutti). Dies bedeutet aber auch für später, dass sie im Falle von sexualisierter Gewalt weniger “nein” sagen und sich in den Beziehungen zum Täter sogar partiell aufgewertet fühlen. Schaut man sich die Beziehungen von Tätern zu ihren Opfern an, so sind es oftmals Opfer ohne viel Selbstbewusstsein. Hier findet durch die elterlicher Erziehung eine Vorprägung statt und in der emotionalen Nähe, die die Täter dann zu ihren Opfern aufbauen, ist es dann nach einer langen vertrauensvollen Beziehung ein Leichtes, dieses Vertrauen schamlos auszunutzen. Betroffene sexualisierter Gewalt befinden sich häufig Jahre in emotionalen Abhängigkeitsverhältnissen zu den Tätern. Wer nun glaubt dies sei selten, kann gewiss sein, dass es in Deutschland allein 10 Millionen Betroffene gibt. Das Ärzteblatt geht sogar von noch mehr Betroffenen aus.

Nun es mögen viele die kausalen Zusammenhänge nicht sehen, aber bei 51 Prozent der Eltern, die ihre Kinder noch schlagen, kann ich nur die Schweden begrüßen, die Eltern sogleich über 10 Monate hinter Gitter bringen und ihnen sofort die Kinder wegnehmen. Vielleicht verstehen wir das in unserer Kultur nicht, aber in Schweden ist es umgekehrt für alle undenkbar ihre Kinder zu schlagen. Nicht umsonst hat Astrid Lindgren auch den Literaturnobelpreis gewonnen.

Warum Mamablogs alles besser wissen sollten

Nun kommen wir mal zum Thema. Mamas sind oftmals überfordert, was aber dann auf den meisten Ratgeberseiten kommt, sind Ratschläge die das Allgemeinste vom Allgemeinen zusammenfassen. Ideen, dass wir unsere Kinder maßregeln müssten, stellen die Autoren ohne Bezug zur Realität dar. Ich selbst bin mir auch oftmals sehr unsicher, was, wie, wann und wo ich alles falsch mache. Erziehung ist definitiv keine leichte Aufgabe und oftmals glauben wir, es gäbe den Kniff. Eine Art Bewegung oder Wortformel, die unsere Kinder in brave Schäfchen verwandelt, die genau nach unserer Pfeife tanzen.  Die Gesamtheit der Erziehung aber steht im Mittelpunkt.

Miss Moon hat nun einen Artikel geschrieben, wobei die Ratschläge sicher diskutabel sind, aber die Tatsache, dass sie ihre Erfahrungen mit uns teilt und daraus die Regeln ableitet und diese auch noch persönlich zur Diskussion stellt, empfinde ich als einen der Fortschritte, die uns das Internet bringt. Wir sollten uns ernsthaft der Erziehungsdiskussion stellen, denn ich bin der Auffassung hier ist vieles falsch gelaufen. Wir dürfen unsere Kinder nicht privat erziehen, weil die Kinder nicht uns gehören, sondern sich selbst. Das heißt, vieles in der Familie ist nicht Privatangelegenheit. Das mag für euch überzogen klingen, aber wusstet ihr, dass es in Deutschland zum Beispiel keine Anzeigenpflicht für sexualisierte Gewalt gibt? Das heißt, wenn ihr wüsstet, dass ein Kind, das ihr kennt, missbraucht wird, müsstet ihr es nicht anzeigen und ihr würdet euch damit nicht strafbar machen. Aber es kommt noch doller: Ihr müsstet es nicht mal melden. In Deutschland gibt es hierfür keine Anzeigen- und Meldepflicht.

Natürlich ist das ein Phänomen, dass Mamas nun mit den Blogs ihre Ratschläge verteilen. Ich finde das allerdings gut, wenn es offen für Diskussion ist und da finde ich den Facebookkommentar nicht so schön (Facebookdiskussion). Wir wissen heute noch nicht viel über die Entwicklung unserer Kinder und seitdem die Soziologie mehr und mehr Studien in den Raum wirft, tut sich in den letzten Jahrzehnten ein gesellschaftliche Abgrund auf. Wie Norbert Denef von netzwerkB glaube ich auch, dass die hohen Zahlen an sexualisierter Gewalt Gründe haben. 10.000.000 Betroffene haben eine Ursache, die wohl gerade dort zu suchen ist, wo wir unsere Gewalt weitergeben und so müssen wir die Gründe in der Erziehung suchen.

Erziehung als Privatsache?

Grundsätzlich denke ich, dass Erziehung keine Privatsache ist und niemand einfach mal so machen sollte. Es ist keine Frage der persönlichen Auffassung, sondern es ist die gesamtgesellschaftliche Frage, was für unsere Kinder das Beste ist. Sicher ich stille sehr lange und das kann nicht jede Frau. Dies sind Grenzfragen, aber beim Schreienlasssen oder beim Schlagen gibt es recht eindeutige Befunde. Der größere Teil der Eltern denkt dennoch anders und das sehen wir daran, dass trotz des gesetzlichen Verbots Kindern auch nur einen Klaps zu geben, Eltern immer noch ihre Kinder schlagen. So verwundert mich auch nicht, dass es immer noch zu folgenden Kommentaren kommt:

“Frau kann das Baby auch mal schreien lassen, wenn sie auf dem WC oder unter der Dusche ist! Es wird bald lernen, dass Mama ein paar unaufschiebbare Bedürfnisse hat.”

“So ist es. Es macht den Anschein hier als hätten diese jungen Mütter nicht von ihren Eltern gelernt. Gerade die Artikel mit all den zum Teil doch hysterischen Ratschlägen. Eine richtige Mutter braucht bestimmt keine diese Ratgeber-Kinder-Bücher zu lesen. Sie lernte das Handwerk von der eigenen Mutter.” (http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/23293/geniessen-geniessen-geniessen/#comments)

 

Im Letzten Kommentar liegt das Problem verborgen, die meisten Mütter, die alles anders machen wollen, lernen das “Handwerk” von ihren Eltern und dann gibt sich die Gewalt von Generation zu Generation weiter. Ich glaube allerdings, dass wir uns nun in einer Umbruchphase befinden. Schweden macht es vor und auch die anderen Länder müssen folgen, um schließlich eine gesunder Gesellschaft hervorzubringen. Zwar ist es richtig, dass wir auch so bisher groß geworden sind, aber wir wollen nicht nur leben, sondern auch glücklich leben, daher ist es an der Zeit, dass die Gesellschaft sich wandelt. Aus diesem Grund finde ich gut, wenn Mamas sich öffentlich mit Besserwisserblogs zu Wort melden und so das Thema überhaupt erstmal diskutabel machen.

Wenn ihr noch mehr zum Nachdenken anregen wollt, könnt ihr gerne diesen Beitrag weiterteilen :)

Alles Liebe

eure Maja

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  • http://www.facebook.com/people/Anna-Göbel/100002089810979 Anna Göbel

    Für mich war die Sache mit dem “Schreien lassen” echt ein garnicht so einfaches Thema. Unser Sohn wollte am Anfang eben auch nicht im Bettchen schlafen und ich habe ihn bei uns im Bett schlafen lassen. Das war eigentlich auch nie ein Problem, aber dann hörte ich von sehr vielen Seiten, dass das nicht geht und er so niemals alleine schlafen  würde. Das ich nicht so “weich” sein soll. Das war echt ein Punkt, wo ich mir unsicher war, ich wollte nicht schon am Anfang die “Erziehung” falsch machen. Trotzdem habe ich ihn solange bei uns schlafen lassen, wie er wollte, ich hatte einfach kein gutes Gefühl, ihn in seinem Bettchen schreien zu lassen. Mit ein paar Monaten hat er sich dann in seinem Bett wohlgefühlt und schläft auch sehr gerne darin, dass ging ganz von selbst und ohne Geschrei.

    • http://www.facebook.com/people/Anna-Göbel/100002089810979 Anna Göbel

      Das ist eben das gute am Internet, dort findet man noch einige andere Meinungen und ich bin froh zu lesen, dass ich damit vielleicht sogar etwas richtig gemacht habe :)

      • Maja Mummer

        Hört sich gut an. Irgendwie ist mir dieses Argument mit dem “weich” sein von den anderen suspekt. Ich glaube, meine Tochter lernt die Dinge ohnehin, nur später. Jedenfalls glaube ich nicht, dass sie mit 18 noch schreit, wenn sie sich im Auto anschnallen muss :) Und vielleicht gibt sie das schon mit 3 auf ;)

  • http://twitter.com/frauleinmoon1 FräuleinMoon

    LOl okay bin ich eben ne besserwisser mama :D total lächerlich so über einen beitrag auf zuregen , es sind ja nur ratschläge , die kann man ausprobieren oder man kann es eben lassen . ich habe nie geschrieben das ich die weissheit mit löffeln gefressen habe und dies das non plusultra ist O_O 

    • Janina Lampe

      Eins vorweg: Ruhig bleiben!

      Und nun, glaube ich, hast du was falsch verstanden: Maja nennt uns alle Besserwisser-Mamas, die täglich in ihrem Blog gute Ratschläge geben. Nicht spezifisch grade dich. Ob sie nun wirklich so gut sind oder nicht, das ist ja gerade das worauf sie hinaus will. Durch die wunderbare Welt des Internets haben wir eine Plattform geschaffen, auf der wir gerade dies diskutieren können. Gegenseitig von unseren Erfahrungen lernen und vielleicht auch mal umdenken. Also mach nicht aus dir selbst den Esel, wenn es andere auch nicht tun. ;)

      • http://twitter.com/frauleinmoon1 FräuleinMoon

        das hab ich schon verstanden 

        • Janina Lampe

          Klang jedenfalls anders. Aber dann ist ja gut :)

      • Maja Mummer

        Vor allem müssen wir nicht immer glauben, was uns andere erzählen und haben die möglichkeit uns weiter zu empfehlen. Mit der Besserwissermama meinte ich natürlich mich :)

  • Hummelchen84

    Oh mein Gott, hätte ich das “Handwerk” (in diesem Fall wortwörtlich) nur von meiner Mutter lernen dürfen, hätte ich mich vermutlich für eine Sterilisation entschieden. Was für ein kranker Kommentar, sorry, keine Ahnung was sich solche Leute denken (wenn überhaupt, dann nicht viel)… *würg* 

    Das mit der Anzeige- und Meldepflicht stimmt (glücklicherweise?) nur teils. Es ist nicht gesetzlich verankert, aber Mitwisser, die den Täter decken, lassen sich gut wirksam anzeigen, es kommt sehr häufig zu Verurteilungen (die halt auch nur ein Abklatsch der ohnhin lächerlichen Strafen für Sexualstraftäter sind, aber immerhin).

    Ich glaub es gibt nur wenige Themen, über die man sich so aufregen kann wie über Erziehungsansichten anderer. Das mag man jetzt als per se sinnfrei beurteilen, aber ich finde es irgendwie essentiell: wer sich aufregt macht sich zumindest Gedanken. Und wenn diese Gedanken auf einen fruchtbaren, Neuronen-genährten Gehirn-Boden fallen, kann Gutes draus wachsen…

    • Norman_Schultz

      Hallo Hummelchen,

      ich stimme dir eigentlich in fast allem zu, was du sagst, muss dir aber sagen, dass mir Statistiken vorliegen, wonach es von 200 Fällen zu 20 Anklagen kommt und widerrum bei 10 von diesen zur Verleumdungsklage. Die Lage für Betroffene ist schwierig. Ich arbeite für netzwerkB und habe mit vielen solcher Fälle zu tun. Vielleicht arbeitest du in einem Bereich, wo es subjektiv anders ausfällt, bei 10 Millionen Betroffenen von sexualisierter Gewalt allein (wobei die Dunkelziffer noch ärger ist, da viele den sexuellen Missbrauch nicht anerkennen, nciht verstehen oder völlig verdrängt haben), stehen wir vor einer Katastrophe. Die Anzeigen- und Meldepflicht in Deutschland ist ein Skandal, ebenso wie die Tatsache, dass Kindesmissbrauch nicht als Verbrechen, sondern als Vergehen bewertet wird. Ich habe den verlinkten Artikel auf netzwerkB zu diesen Themen geschrieben.

      Norman Schultz

      • Hummelchen84

         Ich komm aus Jugendhilfe/ Heimerziehung.
        Was ich persönlich noch fast kranker finde, ist dass ich als Psychologin PRIMÄR der Schweigepflicht unterstehe, die kommt in jedem Fall (rechtlich) vor allem anderen, selbst wenn ich als Therapeutin bei “Gefahr in Verzug” natürlich irgendwie, wenn nicht aus anderen dann zumindest aus moralisch-verantwortlichen Gründen, handeln müsste. Es ging bei mir immer gut, aber verklagen dürft einen halt keiner, das ginge im blödesten Fall nicht gut aus…. Da hab ich mir schon öfter die Hand an die Stirn geklatscht.

        • Hummelchen84

           Beim Drüberlesen ist mir ein Satz als missverständlich aufgefallen. Also, besser: würde ich im Falle, dass ich von einer Klientin weiß, dass Missbrauch stattgefunden hat ohne ihre (oder elterliche) Entbindung von der Schweigepflicht Anzeige erstatten, könnte ich nur eine Anzeige wegen Schweigepflichtsverletzung bekommen. Im umgekehrten Fall (ich hielte meine Klappe), bin ich rechtlich als Psychologin nicht strafbar. Das empfinde ich als grobes Missverhältnis und stimme deiner Kritik dahingehend völlig zu.

          • Norman_Schultz

            Ja, das sind solche und ähnliche Missverhältnisse und dem versuchen wir gerade entgegen zu wirken. Unser Hauptziel ist es momentan allerdings die Aufhebung der Verjährungsfristen zu erreichen. Die Melde- und Schweigepflicht ist ein Nebenschauplatz, der allerdings auch relevant ist. In Schweden gibt es die Melde- und Anzeigenpflicht, wohl auch ein Grund, warum sie doch im Glücksranking höher als Deutschland stehen.

          • Maja Mummer

            Das mit der nicht Anzeigenpflicht finde ich skandalös, bei Jana Heinsons Kommentar wird das deutlich

  • Janina Lampe

    Danke, dass du es ansprichst, denn ich erlebe gerade das gleiche Thema tagtäglich zu Hause. :)

    Es geht nicht um’s Schlagen, es geht um’s Schimpfen, Kind muss gehorchen, ich bin der Chef, das schickt sich nicht, sei nicht so laut und um 18 Uhr ist Feierabend, wehe du machst Theater…
    Mein Freund und ich haben recht unterschiedliche Ansichten von Erziehung und bei ihm liegt die Tendenz eher noch zum “Konventionellem”. Das hat keine andere Ursache, als dass er es von zu Hause so gelernt hat und seine Ex-Freundin die Kinder genau nach diesem Model erzogen hat. Somit ist er festgefahren in der Ansicht, das muss so sein. Er kennt nun mal auch nichts anderes.
    Ich denke das ist das Problem bei den meißten.

    Nun lasse ich mich manchmal auch mitreißen, weil auch Mutter Theresa irgendwann mal der Geduldsfaden reißt. Aber ich suche ständig neue Wege um eben diese Situationen zu umgehen und beim nächsten Mal besser und anders zu reagieren.
    Schreien und Schlagen und ein Kind in feste Formen zwängen ist meiner Meinung nach nur ein Produkt der Hilflosigkeit von Eltern, daher muss unbedingt angefangen werden, Eltern aufzuklären und zu zeigen welche Alternativen es gibt, so wie es in Schweden gemacht wurde.

  • Mami

    Eigentlich mag ich deinen Blog. Eigentlich. Aber manchmal frage ich mich ob du nicht doch alles zu blauäugig siehst. Meine Schwiegermutter war auch so wie du. Ihr “kleiner” ist jetzt fast 7. Er bekommt alles was er möchte ( was ist schon konsequenz, nein DA müsste man sich ja mit dem Kind auseinandersetzen und ihm etwas verbieten)
    Er durfte seinen Schnuller, seinen Pampers und alles behalten so lang er wollte. Und selbst jetzt geht er noch nicht alleine auf die Toilette. Aber ja, er ist ja noch klein. Regeln? Schimpfen? Was ist das? Dafür ist er das bisher unausstehlichste Kind was ich je gesehen habe. Er ist unglaublich frech, hat keinen Respekt ( wie auch wenn man ihnen alles durch gehen lässt?) Er konnte mit 3 weder sprechen noch alleine essen noch sonst was. Und ich sehe daran das ich es NICHT so machen möchte. Bei uns gibt es Regeln. Es gibt Zeiten an die wir uns halten. Es halt nicht nur Vorteile wenn man sienem Kind alles durch gehen lässt. Dadurch lernt es nämlich auch das die eigenen Bedürfnisse IMMER vor den anderen stehen, das alles schon nach der eigenen Nase tanzen wird.
    Und ich habe auch gestillt und wir waren trotzdem alle krank. Also an alle Flaschenmamis. Lasst euch nicht verrückt machen von solchen Mama besser wisser Blogs. Hört auf irgendwelche dämlichen Bücher zu lesen ( die am besten noch jemand geschrieben hat der keine Kinder hat) und hört einfach auf euer Mama Gefühl.

    Liebe Grüße

    • Norman_Schultz

      Erst mal ist die Frage ganz einfach: Haben Kinder mit stillenden Muttis mehr Infektionskrankheiten oder nicht? Als Wissenschaftler schaue ich mir nun nicht eine Mutter an, sondern mal um minimal gut zu sein 1000 Mütter. Dann vergleich ich die Daten der stillenden Mütter mit denen der nicht-stillenden Mütter. Das kann alles ziemlich genau erhoben werden. Am Ende habe ich dann Befunde, selbst wenn ich keine Kinder habe. Wenn ich nun feststelle, dass Kinder von nicht-stillenden Müttern 3 mal weniger häufig krank sind, dann schaue ich mir die Kausalverhältnisse an. Auch dies kann gut rausgerechnet werden. Am Ende habe ich, wenn ich gut bin, ein valides Ergebnis. Der Vorteil ist, ich berufe mich nicht auf eine Mutter, die mal behauptet, dass das bei ihr so oder so war, sondern auf die Daten von vielen Müttern und vergleiche sie. Ich habe Erfahrungswerte, die ich auswerte.

      Genau hierauf beruft sich Maja und genau das ist, was wir gesellschaftlich mal verstehen sollen. Leider wird diese Auseinandersetzung mit Studien in der Schule so gut wie überhaupt nicht gelehrt, weswegen immer wieder einer kommt und sagt: Aber ich habe auch gestillt und mein Kind war häufig krank. Das nennt sich dann Einzelfall und kann gesonderten Umständen geschuldet sein. Und um vorzubeugen: Es gibt bei Millionen von Müttern natürlich mehr Einzelfälle, die Frage ist wie diese im Verhältnis zur Gesamtheit stehen. Da die Studienergebnisse, die Maja aber zitiert, so eindeutig sind, kann da viel von den wenigen diskutiert werden, letztlich hat sie schlicht und ergreifend Recht, wenn sie stillen aufgrund dieser Studienergebnisse empfiehlt. Dazu muss gesagt werden, dass es keine bessere Art gibt, sich auf die Richtigkeit einer Methode zu berufen als eben durch gute Studien.

      Und dies heißt nun nicht (wie auch Maja in ihrem Artikel herausstellt), dass den Müttern, die nicht stillen können, ein Vorwurf entstehen würde. Bei ihnen funktioniert es nicht und wer nicht kann, der muss sich moralisch nicht schlecht fühlen. Wer aber kann und die eindeutigen Belege wissentlich ignoriert, der ist leider auf dem Holzweg (um genau zu sein, macht er einen induktiven Fehlschluss nach dem anderen).

      Ich finde den Artikel sehr gut, denn er ist einfach fundiert. Du solltest mal auf netzwerkB einen Gastartikel schreiben.

    • http://www.facebook.com/people/Jana-Heinsohn/100001131919404 Jana Heinsohn

      Du beschreibst nun ein Beispiel deiner Schwiegermutter, dass doch schon im krassen Gegensatz steht. Kleine Kinder verstehen keine Konsequenzen – wenn mein Mädchen ihr Essen runterschmeißt, weil ihr grad irgendwas dermaßen gegen den Strich geht und ich sie daraufhin anschreie, schlage, schnappe und ins Zimmer bringe oder weiß der Geier was, verliert sie nur mein Vertrauen, dann hat sie keine Sicherheit – steht völlig allein und verlassen… und? Was hab ich da gekonnt? Nichts, absolut gar nichts!!! Sie denkt doch noch gar nicht darüber nach, was Essen runterschmeißen bedeutet, ihr fehlen die Zusammenhänge… diese lernt sie durch liebevolle krze Erklärungen und nicht durch Konsequenzen… schmeißt sie den Teller runter, wird gemeinsam aufgewischt… und mit ihr gesprochen… 
      Und das der Junge mit 7 noch den Nulli hat oder in die Pampers macht, is das nicht die Faulheit der Mutter (ohne jemandem zu nahe zu treten)?

      Im Gegensatz zu Maja, die nur das Beste für ihr Kind möchte und dafür jede Anstrengung in Kauf nimmt und sich zurückstellt, scheint das bei deiner Schwiegermutter anders zu sein… 

      Ich gehe auch nicht immer mit Maja konform… warum auch? Menschen sind unterschiedlich… Aber dein Beschriebenes passt irgendwie gar nicht…

      • Norman_Schultz

        Haha Jana, ich glaube so weit liegt ihr überhaupt nicht auseinander, jedenfalls glaube ich Maja sieht das in diesem Punkt genauso wie du. Ich glaube auch nicht, dass ihre Meinungen so extrem sind, sondern sie stellt viele Fragen, die andere schon als abgeschlossen halten.

  • Stefanie Hombach

    Ich bin (noch) keine Mutter und habe vor damit auch noch ein wenig zu warten, mit dem Thema Kinder und Erziehung setze ich mich trotzdem ab und zu schon mal auseinandern. 

    Ich denke, es ist wirklich gut, wenn man die Möglichkeiten hat sich über Erziehungsformen  und -fragen auszutauschen, aber da braucht es ja auch nicht unbedingt das Internet. Unsere Eltern-/Mütter-Generation hat solche Fragen eben mit befreundeten Müttern bei Krabbeltreffen besprochen. Übrigens auch eine gute Möglichkeit das Kind unter Altersgenossen zu bringen, selbst soziale Kontakte zu pflegen und auch mal 2 Minuten für sich haben zu können.

    Nun aber zu deiner eigentlichen Frage: Schlagen ist für mich kein Thema, niemand gehört geschlagen… keine Kinder, keine Haustiere, auch nicht der Partner oder sonst wer. Da braucht man nicht drüber diskutieren. 
    Ich würde mein Kind auch nicht “einfach schreien lassen” – soll heißen, es schreit und man wartet drauf, dass es eben wieder von alleine aufhört, ABER das heißt auch nicht, dass man beim ersten Quäken schon daneben stehen muss, um es zu beruhigen. Auch Mütter sind Lebewesen und wenn Mama gerade auf Toilette sitzt oder am Herd steht, muss auch der Nachwuchs mit der Zeit lernen, dass Mama nicht immer sofort abrufbar ist. Sonst geht man als Mensch ja komplett unter und ist nur noch Mutter. Das kann es meiner Meinung nach auch nicht sein. 

    Und zu deinem letzten Beitrag darüber, dass man als Mutter kaum bis keine Zeit mehr für sich hat – irgendwann müssen Kinder auch lernen, dass sie sich alleine beschäftigen und dass Mama nicht jede Handbewegung sieht, kommentiert und bewundert. In welchem Alter und wie man das erreicht, kann ich nicht genau sagen, aber es ist unglaublich wichtig, dass es passiert – sonst bricht auch der perfekteste Mama-Automat (denn mehr ist man sonst irgendwann nicht mehr) irgendwann zusammen. Wer kann schon 24/7 die eigenen Bedürfnisse unterdrücken…

    Liebe Grüße,
    Stefanie

    • Maja Mummer

      Du hast Recht, das Kinder das Lernen müssen und irgendwann lernen sie es auch. Der 18 Jährige ist dann irgendwann ausgewachsen. Die Frage ist, wann die Kinder es aufgrund ihrer Gehirnentwicklung tatsächlich lernen können oder inwiefern sie versuchen zu erziehen und sie de facto nur einschüchtern.

  • Hummelchen84

    Ich glaub es ist wichtig zu unterscheiden, ob man ein Kind schreien lässt, weil einem aus irgendeinem Grund grade die Hände gebunden sind, oder um des Schreienlassens willen.

    “Schreien lassen”, nur damit ein Baby lernt wo es hingehört und dass sich das Universum nicht um es dreht (wie gemein ist das übrigens, das einem Baby beizubringen, das noch nicht einmal in der Lage ist treffsicher zwischen sich selbst und anderen zu differenzieren? – siehe Entwicklungspsychologie) ist in meinen Augen ein No-Go. Darüber hat man angesichts aktueller wissenschaftlicher (neurologischer und verhaltensanalytischer) Erkenntnisse meiner Meinung nach nicht mehr zu argumentieren, genauso wenig wie übers Rauchen oder Trinken in der Schwangerschaft. Wer sich nicht dran hält schadet absichtlich und wissentlich.

    Anders sieht das aber in Situationen aus, in denen Mama grad nicht “kann” – sei es weil grade etwas Fettes auf dem Herd übergeht oder sie mit Durchfall aufm Klo hockt. Ich denke da kann man aber früh dem Kind zurufen, man kommt gleich. Find ich überhaupt nicht schlimm – selbst Babys verstehen viel mehr als sie sich verständigen können, und haben auf diese Art, in Ausnahmefällen auch früher als gezielt sinnvoll, die Möglichkeit zu lernen, dass man sich auch auf Mamas gesprochenes Wort verlassen kann. Mama muss dann halt aber auch wirklich gleich kommen, wenn sies versprochen hat ;-)

    Vermutlich relativiert ein Zweitkind dieses Thema. Man stelle sich vor, eines der Kinder ist grade wirklich in einer “Notsituation” – hat sich potentiell weh getan oder grad einen Alptraum gehabt und braucht *dringend* die Mama, und das zweite weint, weil es ein Bedürfnis hat, das im Moment weniger akut-bedrohlich erscheint (es hat Hunger oder Langeweile, beispielsweise). In dem Moment muss Mama eine Entscheidung treffen, hoffentlich für das Kind das sie grade dringender braucht (auch wenn das das ältere Kind ist), und das andere muss dann eben warten.

    Ich denke also nicht, dass es grundsätzlich schädlich ist, wenn ein Kind lernt, dass manchmal andere Dinge zuerst kommen – aber es sollte nicht lernen, dass andere Dinge zuerst kommen nur weil Mama (oder Papa) grad keinen Bock auf es hat.

    • Maja Mummer

      Das ist genau meine Meinung, Hummelchen und das ist genau, was ich sagen will :)

  • http://www.facebook.com/people/Jana-Heinsohn/100001131919404 Jana Heinsohn

    So Diskussionen sind ja mal ganz erfrischend!!! :)

    Mal ganz zu Anfang… Ich komme aus dem Öffentlichen Dienst und habe bis zur Geburt meiner Tochter bei der ARGE als Arbeitsvermittlerin gearbeitet. Tagein Tagaus habe ich sehr viel Elend gesehen – geschlagene Frauen, geschlagene Männer (ja, auch die gibt es), geschlagene, verdreckte Kinder… (natürlich hat das nichts mit dem Empfang von Sozialleistungen zu tun – bitte nicht falsch verstehen) …die Kleinen wurden angebrüllt, da gabs ne Ohrfeige, n Klaps, usw… Ja, was machen? Nichts – leider… weil es nicht in unsere Zuständigkeit fiel… Oftmals waren die Familien schon in Betreuung des Jugendamtes oder wir haben es dort gemeldet… Mehr blieb uns leider nicht übrig… Mir ist das sehr schwergefallen…. gerade auch als ich selbst schwanger war und während der Arbeit ganz oft meinen Bauch streichelte… 

    Eltern die ihre Kinder so behandeln, haben keine Skrupel… Einmal hab ich was gesagt – als der Vater mit seinem Kind dann auf dem Weg nach draußen war, hat er es umso grober angepackt, weil ich ihn nun wegen des Kindes beschämt hätte…

    Ich möchte glückliche freie Menschen erziehen, die sich aber auch an gewisse Regeln halten sollen und müssen… Dazu gehört bei meinem Großen die Schule, sein Zimmer und natürlich anständig zu sein… Klappt alles natürlich nicht, ist ein Kind und kein Roboter – logisch… Er lernt ja und kommt nicht allwissend auf die Welt… Wir müssen unsere Kinder unterstützen, sie auf den richtigen Weg bringen und ihnen Verantwortung lehren ohne Druck auszuüben… Ganz ohne Regeln geht das natürlich nicht… aber ohne Schlagen, große Bestrafungen und Maßregelungen… 

    Mein Mädchen ist natürlich die verwöhnte Prinzessin im Haus… glücklicherweise ist sie sehr ausgeglichen und selten ein Zornborschtel, aber natürlich haben wir auch schlechte Tage… Im Leben nicht könnte ich diesem kleinen Wesen irgendetwas bösartiges antun… das man mal schimpft, bleibt ja nicht aus, um Gotteswillen – auch meine Nerven sind mal gespannt – aber es kommt immer noch auf das WIE an…

    Kinder machen Arbeit und sind keine Erholung von der Arbeit!!! Sie sind anstrengend, das eine mehr, das andere weniger… Aber sie kommen unschuldig auf diese Welt und jedes einzelne hat es verdient geliebt zu werden…

    Für mich persönlich ist Erziehung Privatsache, weil ich weiß oder meine zu wissen was für meine Kinder das Beste ist… Allerdings bin ich für mehr Kontrollen – es müsste mehr Geld in Aufklärung, Beobachtung usw. gesteckt werden… Kindergärten und Schulen müssten mehr in die Privatsphäre blicken können… und das Jugendamt müsste völlig anders agieren…

    Und es müsste Härtefällen verboten sein überhaupt Kinder zu zeugen!!! Ein letztes Beispiel: Mein Bruder ist Polizist und hat vor ein paar Jahren ein Baby aus einer völlig verkommenen Familie geholt… die Mutter war grün und blau geschlagen und sagte kackenfrech zu meinem Bruder “Dann machen wir eben ein neues”…

    • Maja Mummer

      Ich bin auch für Regeln, allerdings für Regeln des sozialen Miteinanders und nicht Regeln, die wir spontan aus irgendwelchen Gründen für unsere Kinder erfinden. Tatsächlich möchte ich nach dem Konzept der unbedingten Schule nur die Regeln, die notwendig sind. Die erste Regel, die ich ihr versuche beizubringen, ist, dass sie andere nicht schlägt, denn das machen Kinder irgendwie automatisch. Dies sind meines Erachtens wichtige Regeln, den anderen zu achten und da lege ich viel wert drauf.

      Das mit dem Amt ist übrigens sehr interessant und die Fallschilderung echt der Hammer. Darüber würde ich gerne mal einen Gastartikel bei mir von dir lesen ;) Aber siehst du, du meldest es dem Jugendamt und nichts passiert. Das ist das Problem heute. Stell dir mal vor du hättest eine Anzeigenpflicht bei der Polizei, dann wäre alles klar und die Polizei würde dich nicht an das Jugendamt verweisen, das in der Regel sehr zaghaft ist. Habe auch schon solche Fälle durch.