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Wie das Spielen Kinder erzieht – Kinder brauchen jeden Tag andere Kinder

Mein Kleinkind der Trotzpirat :)

Mein Kleinkind der Trotzpirat (Diesen Schuh wollte mein Kleinkind sich nicht mehr anziehen)

Wir verlangen oftmals mehr von unseren Kindern, als wir selbst leisten. Schnell erfinden wir Regeln oder Einschränkungen, die für uns nicht gelten. Zwar ist mein Baby noch nicht im Fernsehalter, aber ich finde es paradox, Kinder abends ins Bett zu schicken, ihnen das Fernsehen zu verbieten, während wir mit Salzstangen und Erdnussflips Abend um Abend eine Party schmeißen. Zwar ist die Kindheit auch sehr schön, weil wenig Verantwortung auf den kleinen Schultern lastet, aber dass Kinder diese Ungleichheit als ungerecht empfinden, ist klar. Welche Regeln sollen wir also dem Kind geben? Ich bin mir da eigentlich sehr unsicher, weil es oftmals zu einem Machtkampf gerät, der in einem aufgelösten Kleinkind endet, dass sich in Verzweiflung auf dem Boden ausstreckt und wie ein Wurm windet. Zumeist tut mir mein Kleinkind leid, ich gebe ich nach und bin wenig konsequent, obwohl überall geschrieben steht, dass wir liebevoll konsequent sein sollen.

Jaja, wie umgehen mit einem Kleinkind, dass von Gott einen Körper voll Ungeduld und statt eines Kopfes einen Trotzkopf mitbekommen hat? Mein Kleinkind mit Liebe zu erziehen, kostet oftmals viel Kraft. Manchmal wünsche ich mir, es gäbe diese mütterliche Kraft bei Ebay zu kaufen (am besten im Sonderangebot mit zusätzlichen Nerven aus Stahl und einem Tütchen voll von Geduld, was wir dem Kind verbreichen). Wisst ihr: Mein Kleinkind ist bei der ganzen Mutti-Kind-Veranstaltung der Geist, der stets verneint. Das Wort “Nein” beherrscht sie bereits in allen Variationen. Manchmal wacht sie Morgens auf und ihr erstes Wort ist “Nein” und das war es dann auch schon mit dem Wortschatz am Morgen. Hauptsache die Modalitäten für den Tag sind schon mal festgelegt worden. Neue Regeln befolgt sie nämlich äußerst ungern.

Das Trotzkind hat sehr schnell verstanden, dass sie die Sprache eigentlich überhaupt nicht lernen muss, sondern ein aussagekräftiges “Nein” genügt meinem Kleinkind schon vollkommen, um in allen Situationen Mamas Gutmütigkeit herauszufordern. Kleinkinder entdecken ihre Freiheit und haben ihren eigenen Kopf. Die Frage ist nun, wie wir sie richtig erziehen, dass sie nicht diesen dicken Trotzkopf behalten, wir sie aber auch nicht maßregeln und reglementieren. Hier müssen sich Mamas und Papas in erster Linie selbst erziehen, denn sie brauchen vor allem belastbare Nerven und eine gute Portion Liebe. Worum geht es?

Die ersten warmen Tage haben wir gut ausgenutzt und waren bis zum Sonnenuntergang draußen :)

Die ersten, warmen Tage haben wir gut ausgenutzt und waren bis zum Sonnenuntergang draußen :)

Regeln durch Spiel mit anderen Kindern

Leider bekomme ich ja als zwar alleinerziehende, aber arbeitslose Mama keinen Kindergartenplatz. Dies heißt für meine Tochter, dass sie wenig natürliches, soziales Korrektiv erlebt. Kinder im Kindergarten würden ihr sehr schnell die Grenzen ihrer persönlichen Freiheit aufzeigen. Sie sind gleichwertige Spielkameraden, die die Regeln im Miteinander erforschen. Sie spielen mit Freiheit. Wenn ich im Gegenzug mit meiner Tochter spiele, dann sind die Regeln, die ich ihr geben kann, oftmals von mir erzwungen und gemacht. Sie kann sich nicht im Rahmen einer gleichwertigen Sozialpartnerschaft durchsetzen. Aus diesem Grund bin ich der tiefen Überzeugung, dass Kinder mit anderen Kindern spielen müssen. Leider kann ich dies momentan meiner Tochter nur unregelmäßig bieten, am liebsten wär es mir, wenn ich hier jeden Tag noch so einen Neinsager hätte. Dann könnten sich beide Kinder gegenseitig mit ihrem “Nein” zurechtweisen.

Sich in einer Gruppe heimisch zu fühlen ist schon für kleine Kinder sehr wichtig, die abgeschottete Kleinfamilie, die sich einmal in der Woche zum Spielkreis aufmacht ist, eigentlich ein unnatürliches Gebilde. Die soziale Interaktion von Kindern untereinander entlastet nicht nur Eltern, sondern die Kinder fördern sich auch untereinander. Kommen unsere Wattekinder nun erst mit drei Jahren in eine Kindergruppe so haben sie die wichtige Kleinkindphase, in der sich viel Strukturen im Gehirn bilden bereits hinter sich. Dass Kinderspiel  Kleinkinder fördert wurde in einer Langzeitstudie in Norwegen untersucht, da waren Kleinkinder, welche in die Kindertagesstätte gingen, als Erwachsene gesünder und hatten ein höheres Einkommen.

Autoritäre Erziehung

Statt diese Einsichten zu verbreiten, versuchen andere Elternratgeber eher auf die strikte Durchsetzung elterlicher Regeln wert zu legen. Kinder brauchen Regeln, heißt es. Hiergegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Es ist aber leicht einsehbar, dass Kinder diese Regeln, dann nicht verfolgen, weil sie gelernt haben, sich selbst Regeln im Spiel zu geben, sondern weil sie von der elterlichen Machtposition abhängig sind. Sobald die elterliche Machtposition dann weg fällt, gelten dann auch die Regeln nicht mehr (wohl ein Grund, warum eine sturmfreie Bude bei Jugendlichen oftmals ausartet).

Dies hat Konsequenzen: Jemand, der sich in unserem Staat nur an die Gesetze hält, aber jede Gesetzeslücke schamlos ausnutzt, würden wir auch nicht als guten Menschen bezeichnen. Neben der Einhaltung von Gesetzen gibt es noch Anstand. Wie aber erlernen wir diesen? Im Gegensatz zu den Fernseh-, Ess- und Spielverboten, die wir als Eltern erteilen (manche Verbote sind natürlich wichtig, damit Kinder sich nicht verletzen), sollten Kinder auch den Wert der selbst gesetzten Regeln entdecken. Können Kinder sich selbst Regeln setzen? Nun, mein Baby machte dies und auch mein Kleinkind macht dies. Wie? Babys und Kleinkinder machen dies im Spiel.

Wenn mein Kleinkind von 20 Monaten ihre Püppchen liebevoll im Kinderbettchen anordnet und umsortiert, dieses alleine und in selbstbestimmter Handlung macht, sie zudeckt, ihnen einen Gute-Nacht Kuss gibt, das Licht ausschaltet und mir am Ende mit dem Finger am Mund signalisiert, ich solle leise sein, dann hat sie schon einiges an Regeln gelernt. Diese Spiele müssen wir unterstützen und diese Spiele auch provozieren.

Kinder wollen Regeln lernen, aber nicht durch Kontrolle und Macht, sondern durch die Nachahmung im Sozialen. Dies sollte im Kontakt mit anderen Kindern geschehen. Dies ist für mich schwierig, denn ich habe keinen Kindergartenplatz. Zudem versuche ich einen Blog aufzubauen und mir fehlt oftmals Zeit und Kraft für dieses Spiel. Ich habe ihr vor allem schon viel Selbstständigkeit beigebracht, was natürlich nun bedeutet, dass sie ein besonderer Dickkopf geworden ist. Ich muss hier wieder einen Ausgleich schaffen. Mittlerweile gibt es schon ein paar Muttis in Köln (ich zähle Katzenmamis auch dazu), die sich mit mir treffen und nichts könnte für mein Kleinkind sein.

So das war die neunte Aufgabe aus der Eltern- Kind Blogparade von der lieben Testmama, nächste Woche geht es dann mit teil zehn weiter :).

 Alles Liebe

eure Maja

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