Was haltet ihr von autoritärer Erziehung (An Kindern herumziehen)

Von Pusteblumenbaby. Abgelegt unter Mamas Erziehung  |   
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Wie streng sollten wir sein?

Wie streng sollten wir sein?

Glücklicherweise hat mein Kleinkind nun seinen 24-stündigen Wutanfall so gut wie hinter sich gelassen. Sie lacht und freut sich wieder auf den Spielplätzen oder bei Ausflügen in den Wald. Das ist ganz schön, weil ich nicht mehr einen schreienden Schlagbolzen durch Köln tragen muss und die Leute mich nicht mehr für ein herzloses Miststück halten. Dennoch kam kürzlich wieder eine alte Dame auf mich zu und erklärte, dass mein Kind überhaupt nicht erzogen sei. Mein Kind staunte sie mit großen Augen an und ich hatte das Gefühl, sie wollte mir eigentlich erklären wie ich mein Kind richtig schlage.

Natürlich ich bin relativ antiautoritär und mittlerweile setzt sich ja wieder die Regelauffassung durch, so dass ich nach Auffassung vieler mein Kind natürlich völlig falsch erziehe. ”Kinder erziehen” aber ist schon eine merkwürdige Wortkombination. Es hört sich an als würde ich an meinem Kind herumziehen, so lange bis es groß ist. Leider allerdings bin ich mir häufig ziemlich unsicher und selbst nicht genug erzogen, um meinem Kind zu viel zu befehlen.

Das Problem ist, es gibt viele Meinungen zur Erziehung, aber sie sind oftmals nur Meinungen. Aus diesem Grund versuche ich meine Meinungen immer mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen, ohne dass ich dabei meine Erfahrungen überhöhe. Ich verstehe meine Texte als Denkanstösse auch für mich selbst. Ich glaube es ist wichtig, dass wir uns mit Erziehung und unseren Erfahrungen auseinandersetzen und vor allem darüber nachdenken und dabei erziehen auch uns selbst. Ganz ehrlich seitdem mein Kind schnell mal aus Mücken Wutelefanten zaubert, bin ich viel ruhiger geworden, so dass mich selbst ein Banküberfall nicht mehr aus der Ruhe bringen würde. Wahrscheinlich würde ich den Bankräuber streicheln wollen und seine fehlende Mutterliebe ausgleichen wollen.

Andere Internetseiten geben im Gegenzug recht eindeutig wieder, was sie unter artgerechter Kindshaltung verstehen. Dabei geht oftmals einiges an Argumenten schief und am Ende hat man nicht mehr als eine Meinung getankt, die einen vielleicht bei dem, was wir falsch machen bestärkt. Ich denke es liegt daran, dass viele andere Seiten schlicht Content (das ist verkaufsfähiger Inhalt) produzieren. Mit journalistischen Phrasen zur Kindererziehung beginnt es zumeist:

“Wer Kinder erzieht, braucht gute Nerven, einen großen Rucksack voller Liebe und den Mut, auch in den so genannten modernen Zeiten ohne Scheu Vorbild und Leithammel zu sein. Kindern Regeln zu geben, ist keine Bevormundung, sondern ein sinnvoller Akt. Kinder sind weder kleine Erwachsene noch Partnerersatz. Mit liebevoller Konsequenz gibt man ihnen ein gutes Rüstzeug fürs Leben. (http://sigrid-stephenson.suite101.de/konsequente-erziehung-kinder-brauchen-regeln-a47674)”

Hier lullt die Argumentation schon geschmeidig den Leser ein. Natürlich es ist immer einfach, mit seinen Kindern schlicht streng zu sein und Regeln aufzustellen, die Kinder befolgen müssen. Für mich hat es allerdings weniger mit Liebe zu tun, wenn ich jemanden anderen sage, was er tun soll.

Wie sollen wir unsere Kinder erziehen?

Mit Pippi Langstrumpf sieht die Vision von unseren Kindern und ihrer Erziehung allerdings anders aus. Pippi ist das alternative Erziehungsmodell. Sie wandert durch alle Gesellschaften und gefällt den Kindern, aber selten autoritären Eltern. Astrid Lindgren ging es darum, dass wir uns als Eltern oft in ein enges Regelkorsett einschnüren und glauben, dass bestimmte Regeln die richtigen sind.

Vielleicht aber lernen Kinder, die nötigen Regeln, wenn sie im Spiel mit anderen erfahren, was es heißt, mit der Welt umzugehen. Ich lehne also nicht sogleich ab, was oben im Zitat steht, aber es stellen sich Fragen und es ist nicht die erste Auffassung von Erziehung. Doch mit diesem Zitat eingeleitet, setzt sich die elterliche Verbohrtheit der Autorin fort:

“Wenn Ihr Kind den Computer ausschalten soll, reagiert es nicht auf Bemerkungen wie: “Hab ich dir nicht schon tausend Mal gesagt, dass du nicht so lange vor dem Ding sitzen sollst?” Sagen Sie stattdessen: “Leon, mach bitte den Computer aus. Jetzt. (http://sigrid-stephenson.suite101.de/konsequente-erziehung-kinder-brauchen-regeln-a47674)”

Die Mutter ist offensichtlich etwas angefressen, weil ihr Kind nicht hört. Bemerkt der Autor aber eigentlich, dass die Mutter womöglich den Satz “Leon, mach bitte den Computer aus.” schon ein paar mal gesagt haben muss, bevor sie sich dazu hinreißen lässt, ihn in dieser Weise zu belehren? Der Autor macht es sich theoretisch einfach und empfiehlt mit Richter-Gnadenlos-Mentalität zu befehlen. Was aber wenn die Kinder nicht folgen und Eltern schlicht genervt sind, weil Kinder so schnell Reglen ohne Gewalt nicht erlernen? Wie wäre es denn mit dem Versuch Kinder als schon denkende Wesen anzunehmen oder die zumindest lernen sollen, in die Welt unserer denkenden Wesen anzukommen? Doch auch hierzu hat der Erzieher “Gnadenlos” eine eindeutige Position:

“Diskussionen bringen nichts – Kinder mit Ruhe und ohne Machtspielchen erziehen” Natürlich müssen Sie Ihre Kinder ernst nehmen. Mit größeren Kindern lässt sich auch trefflich diskutieren, über die Wichtigkeit von Tatoos ebenso wie über das Schicksal der Welt an sich. Aber wenn Sie etwas durchsetzen wollen, weil es sinnvoll ist und nicht weil Sie es auf Machtspielchen anlegen, bringen Diskussionen nichts. (http://sigrid-stephenson.suite101.de/konsequente-erziehung-kinder-brauchen-regeln-a47674)”

Erzieher “Gnadenlos” ist also der Auffassung, dass wir mit aller diktatorischen Liebe, die wir haben, unsere Kinder vor allem dazu nötigen, das zu tun, was wir wollen. Das wir vielleicht vernünftige Gründe haben, bestimmte Dinge zu tun, spielt keine Rolle. Vielleicht, so meine ich, kommt es aber überhaupt nicht darauf an, dass wir uns durchsetzen? Im Weiteren verrät der Autor, warum er glaubt, dass wir das Recht auf Durchsetzung haben:

“Sie sind der “Chef”, nicht Ihr Kind. Schreien Sie nicht, denn das tun nur verunsicherte Chefs, die niemand ernst nimmt. Sagen Sie mit ruhiger und fester Stimme, was Sache ist. (http://sigrid-stephenson.suite101.de/konsequente-erziehung-kinder-brauchen-regeln-a47674)”

Viel erklären und wenige aber wichtige Regeln bestimmen zur Zeit unseren Alltag

Viel erklären und wenige aber wichtige Regeln bestimmen zur Zeit unseren Alltag

Ihr seid also keine Eltern, die ihre Kinder offen und beherzt an die Welt führen wollen, sondern ihr führt eine Mutti-Corporation, wo es darum geht eure Kinder zu managen. Ihr seid der Chef, der Chef, der Chef, in Fachkreisen auch der Boss genannt (das heißt eigentlich seid ihr das so gut wie nie, außer zu Hause, denn da kann euch ja niemand so richtig in Frage stellen, denn andernfalls gibt es abends kein Essen oder das Wetter wird nicht gut).

Nun ich bin nicht der Chef meines Babys, meines Kleinkindes. Natürlich tut sie Dinge, die nicht gut sind und darauf muss ich sie hinweisen, ob allerdings diese plakative autoritäre Erziehung des Autors weiterbringt, wage ich zu bezweifeln. Mit all den hohlen Phrasen bestätigt der Autor nur Eltern, die gerne wieder strenger sein möchten. Über die positiven Tätigkeiten der Kinder aber berichtet der Autor kaum. Kinder spielen und geben sich gerne selbst Regeln, sie versuchen mit uns auf eine Ebene zu kommen. Ich bin der Meinung Kinder brauchen keine Regeln von uns, sondern diese kommen von allein im sozialen Miteinander. Das heißt nun nicht, dass ich bei meiner Tochter alles durchgehen lasse, aber ich will, dass sie selbst die Regeln lernt, die in der Gesellschaft nötig sind.

Alles Liebe

Eure Maja

 

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  • Hummelchen84

    Ein sehr interessantes Thema, und auch wenn es mir unter den Nägeln brennt darauf zu antworten, schaff ich das nie in einem kurzen Kommentar. Ich nehm mir daher vor, sobald es mir in ein paar Wochen hoffentlich wieder normal geht, einen eigenen Post dazu zu schreiben, und verlink ihn dann hier wenn ich darf :-)

    Grundsätzlich hab ich als Psychologin, die ein paar Jahre in einer Einrichtung für “schwer erziehbare” (der Begriff is politisch inkorrekt, aber die kürzeste Beschreibung) Mädchen gearbeitet, und viele verschiedene Erziehungs-Katastrophen-Schlachtfelder gesehen, und auch die Versuche erlebt und mitgemacht, pädagogisch (und natürlich therapeutisch) den Karren aus dem wirklich tiefen Dreck zu schieben. Von daher hab ich zu dem Thema eine sehr elaborierte, wissenschaftliche und ausgereifte Meinung, dafür ohne jegliche Selbsterfahrung. (Eigene Kinder sind ein ganz anderes Thema .. )

    Jedenfalls freu ich mich schon darüber zu schreiben, da meine Meinung zwar ganz anders ist als deine, aber keineswegs widersprüchlich.

    Danke für den Anstoß :-)

    • Maja Mummer

      Hallo Hummelchen,

      ich sitze jetzt auf heißen Kohlen und freue mich sehr auf deinen Artikel und deine Sichtweise zum Thema! :)

      Liebe Grüße 
      Maja