Kleine Kinder und der Ekel – Huch ein Wurm

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Huch ein Wurm

Huch ein Wurm

“Mama Daaa” ruft mir mein Baby zu und hält dabei ein sich windendes Insekt zwischen ihren Fingern. Mal wieder. Früher hätte ich mir mein Babys Wald- und Wiesenfunde auch blind in die Hand legen lassen. Mittlerweile schau ich immer mal nach, was sie mir denn da so geben möchte. mein Baby ekelt sich wie eigentlich alle kleinen Kinder nicht vor Krabbelkäfern,(Riesen-) Spinnen, Würmern, schleimigen, stinkigen, ausgespucktem Aa, Pipi, Totem, Verlaustem. Es ist vollkommen natürlich für sie, dass alles mal aufzuheben und mir ihre Fundstücke zu präsentieren und zwar so, wie die Katze ihren Herrchen und Frauchen stolz die tote Maus vor die Haustür legt und sich loben lässt. Ich bin nun recht empfindlich gegenüber allem was so krabbelt, kreucht und fleucht, so dass ich eigentlich auch schnell wegfleuchen und wegkrabbeln möchte. Ich sage mein Baby dann, dass das Tier auch ein Lebewesen ist und sicherlich auch weiter leben möchte, dabei versuche ich ihr etwas anderes anzudrehen. Dieser Tausch klappt irgendwie noch nicht so gut, was sicherlich daran liegt, dass ich mir diesen speziellen Schatz bei der Tauschübergabe nicht so recht in die Hände legen lassen möchte

Doch wann entwickelt sich Ekel und warum überhaupt?

Ekel entwickelt sich meist in einem Alter von 3 bis 5 Jahren. Ein Forscherteam vom Boston College fand heraus, dass Kinder aber erst ab einem Alter von 5 Jahren auch den Ekel- Gesichtsausdruck verstehen. Vorher zählen Kinder den Ekel-Gesichtsausdruck einfach zu den wütenden Gesichtsaudrücken. Es gibt also noch keine separate Gefühlssparte für den Ekel-Gesichtsausdruck bei Kleinkinder. Ursprünglich war Ekel für den Allesfresser Mensch eine Schutzfunktion, denn wer so flexibel ist in seinem Speiseplan, läuft Gefahr auch Giftiges zu essen. Es entwickelte sich auch ein Ekel vor Kot, Blut und Kadaver, da diese verunreinigt sind und Krankheiten übertragen können. Mittlerweile ist Ekel immer noch eine Schutzfunktion jedoch nicht nur als Nahrungskontrolle sondern auch aus moralischen Gründen. Durch Ekel grenzen wir uns von Dingen ab, die wir nicht gut finden. In einem Artikel der Süddeutschen liest man dazu:

“So schaudern Menschen, wenn Schokoladenpudding in der Form eines Haufens Hundekot serviert wird, sie weigern sich Apfelsaft aus einer frischen, niemals benutzten Urinflasche aus dem Krankenhaus zu trinken, und kaum jemand möchte den gereinigten Pullover eines verurteilten Sexualverbrechers anziehen. Die bloße Nähe zu grausigen Dingen kontaminiert diese Gegenstände – davon grenzen sich Menschen mit Ekel ab.” (Süddeutsche Zeitung, Gemischte Gefühle: Ekel)

Es gibt also natürlichen Ekel, der uns vor Verunreinigungen oder vor giftiger Nahrung schützen soll, und es gibt moralischen Ekel. Beides wird im Laufe der Kindheit erlernt und von den Eltern übernommen. Ich versuche deshalb nicht panisch das Weite zu suchen, wenn mein Baby mal wieder Krabbelzeug anschleppt, da ich nicht möchte, dass sie irgendwann mal wegen mir an einer Spinnenphobie oder ähnlichem erkrankt. Findet sie allerdings Erbrochenes, Ausgespucktes oder Aa, dann nehme ich sie recht zügig zur Seite, erkläre ihr die möglichen Gefahren bei den Funden und sage auch häufig “Bahh”. Ich denke zu gewissen Dingen gehört ein gesunder Ekel der mein Baby dann später mal schützt. Andererseits möchte ich ihr nicht meine doch nicht ganz gesunden Ekelgrenzen aufbürden und bin deshalb tapfer, wenn sie Krabbeliges aus der Natur pflückt oder mir beim Popo sauber machen hilft und sich dafür die Hände “dreckig” macht. Müssen wir halt beide nach dem Windelwechsel Hände waschen, so viel Arbeit macht das auch nicht.

Und noch etwas Spannendes ist in meinem Alltag passiert


Sie lebte seit ein paar Tagen im Bad. Zuerst war sie mir nicht geheuer und eigentlich mochte ich sie gar nicht. Ich war immer froh, wenn sie in einer Ecke hockte, in der ich sie beobachten konnte. Wenn ich sie nicht sah, beunruhigte mich das. Einmal saß ich auf Toilette und da stand sie plötzlich vor mir. Ich ergriff schleunigst die Flucht. Liebe auf den ersten Blick war es also nicht.

Aber wirklich verscheuchen oder gar ermorden wollte ich sie auch nicht. Ich fand, das wäre doch etwas gemein und ich habe da auch Hemmungen. Ich bin nicht so der typische Serienkiller. Ach ja, ihr fragt euch sicher, was ich meine. Die Rede ist von der Spinne in meinem Bad und eigentlich habe ich panische Angst vor Spinnen.
Gestern jedoch gab es eine Wendung in unserer Beziehung. Beim Duschen saß sie wieder in einer Ecke und ich beobachtete sie. Dabei hatte ich das Gefühl, sie beobachtet mich. Aber mit einem Mal war es nicht mehr schlimm. Plötzlich kam sie mir freundlich vor.

Heute Morgen ist dann leider ein schreckliches Unglück passiert. Ich war mit mein Baby baden. Wieder saß sie in ihrer Ecke und schaute uns an. Nichts ahnend ging ich nach dem Bad mit mein Baby ins Schlafzimmer, um sie anzuziehen. Das Wasser ließ ich noch nicht abfließen. Ein Fehler! Als ich ins Bad zurück kehrte viel mir gleich die leere Ecke auf. Wo ist mein heimlicher doch liebgewordener Untermieter hin? Ich suchte und machte einen grausigen Fund.

Meine Freundin, die Spinne, war in der Badewanne ertrunken. Ich kann es nicht fassen, war es Selbstmord? Hat sie keinen Sinn mehr in ihrem Ecken-Dasein gefunden? Wollte sie etwas trinken und ist sie ausgerutscht? War es Mord einer anderen Konkurrentin? Ich bin immer noch erschrocken und trauer um meine neue Freundin die Spinne. Sie war nicht groß, sie war nicht klein, sie leuchtete im Licht Rot-Braun und war ein ruhiger Geselle.

R.I.P. meine kleine Freundin.

 Im Gegensatz zu mir hat mein Baby übrigens überhaupt keine Angst vor Spinnen oder Ameisen oder Käfern oder Bienen oder Hummeln oder riesigen Hunden. Sie ist da irgendwie ganz anders als ich und ist ein sehr offenes Wesen. Sie fässt alle diese Tiere an und da sie Dinge gerne in den Mund steckt, dürft ihr raten, was sie mit Spinnen macht.

Nebenbei hatte Mutti Zeit sich einen Zopf zu machen und ist stolz auf ihre Haarzucht

Nebenbei hatte Mutti Zeit sich einen Zopf zu machen und ist stolz auf ihre Haarzucht

Was denkt ihr über Spinnen? Macht ihr immer gleich alle weg? Eigentlich sind sie ja ganz nützlich und fangen anderes Ungeziefer, deswegen lasse ich sie meistens in ihrem Dasein in Ruhe.Ach und abonniert doch meinen Blog, wenn er euch gefällt :) Liebe Grüße Maja und mein Baby

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