Die Trotzphase eines Wutkindes: Der Mutti-Streßtest – Schreiende Babys sind normal – Teil 3

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Oh man Mama, das weißt doch jedes Baby

Oh man Mama, das weißt doch jedes Baby

Schreiende Babys sind normal, dies hatte ich in den letzten Beiträgen versucht, deutlich zu machen (Babys schreien lassen, damit sie lernen alleine zu sein?/ Schreiende Babys sind normal). Babys schreien aus verschiedenen Gründen und die können wir nicht unbedingt beeinflussen. Sie schreien, weil sie oftmals von einer neuen Welt mit Reizen überfordert sind. Sie schreien nicht, weil sie uns erziehen oder manipulieren wollen, sondern eher da sie meistens nicht allein sein wollen und vor der Welt Angst haben. Hilft uns diese Einsicht weiter?

Zu dem Thema habe ich schon zwei weitere Artikel verfasst. Die Artikel, die ich zuvor dazu geschrieben habe, findet ihr hier:

Die bittere Ironie meines Schicksals wollte es, dass ich nach Veröffentlichung dieser Beiträge mit Wutanfällen der Extraklasse konfrontiert worden bin. Ich sage ja immer, man soll keine schlafenden Babys wecken und bin immer ganz vorsichtig, aber hier hatte ich wohl mit meinen Beiträgen den Wutgott persönlich herausgefordert und er ist in Form meiner Tochter auf die Welt gekommen. Sie hat so sehr geschrien und das über eine halbe Stunde, dass die Tassen im Schrank vibrierten. Wenn ich sie angefasst und gestreichelt habe, hat sie nur noch mehr auf die Tube gedrückt. Wenn ich sie versucht habe in den Arm zu nehmen, hat sie sich wie ein Aal gewunden und in alle Richtungen ausgeschlagen.

Muttis Nervenkostüm ist nun kein dünnes Sommerkleid, aber auch kein dicker Wintermantel, so dass ich mir irgendwann eingebildet habe, sie sei krank. Zudem bekam sie von dem vielen Schreien (so vermute ich) rote Punkte auf dem Rücken (vielleicht haben sich die Kapillaren so sehr geweitet?). Irgendwann war ich dann so ratlos, dass ich das schreiende Wutpaket eingepackt habe und mit ihr in Ratlosigkeit zum Arzt bin. Das war zwar keine schlechte Idee, aber viel gebracht hat es nicht. Wir, der Arzt und Ich, waren dann nur zwei, die vor einem Berserkerbaby gestanden haben, dass vielleicht bald ohne Stimmbänder leben müsste. Ein neuer Wutbürger war geboren. Ich bin überzeugt, mein Baby wäre bei Stuttgart 21 als erste festgenommen worden. Ich wunder mich schon, dass ich es durch die Straßen zum Arzt geschafft habe, ohne wegen Ruhestörung verklagt worden zu sein.

Hat es mir nun geholfen, dass ich mir wie ein innerliches Mantra sagte: “Schreiende Babys sind normal. Schreiende Babys sind normal. Schreiende Babys sind normal?” Nun auch die Fürsorge einer Mutter stößt irgendwann an ihre Grenzen. Irgendwann weiß sie nicht mehr, was sie tun sollen. Leider können wir uns dann nicht auf den Boden werfen und strampeln, was das Zeug hält, wütend auf den Boden stampfen. Dafür hat niemand Verständnis und das auch zu Recht. Unsere Gesellschaft löst Konflikte mittlerweile mit Argumenten und nicht mehr mit der Keule. Doch auch das müssen Kinder lernen. Und es wäre doch irgendwie falsch, wenn wir ihnen das Argumentieren mit der Keule beibringen wollten. Ich glaube mein Baby hat ein neues Gefühl in sich entdeckt, mit dem sie lernen muss nach den Maßstäben unserer Gesellschaft umzugehen. Kinder müssen auch das erst lernen.Nach dem Arztbesuch wusste ich immerhin, dass es keine gefährliche Krankheit war. Irgendwann gab ich am Abend auf, herausfinden zu wollen, was mit ihr ist. Ich sagte mir, sie hätte sich so sehr in den Abgrund der wütenden Verzweiflung gestürzt, dass sie aus diesem Abgrund ohnehin nie mehr heraus käme. Ich überlegte, ob ich jetzt für den Rest meines Lebens ein schreiendes Kind hätte und es ratsam wäre, Ohrstöpsel zu besorgen oder den Hörsinn gleich ganz aufzugeben.

Seit dem Wochenende ist mein Baby wieder sehr ruhig und ruhiger als jemals zuvor. Vielleicht weil ich die Wut, so weit ich konnte, zugelassen und reflektiert habe? Ich höre oftmals meinen Nachbarn durch die Wände. Wenn seine Kinder weinen, dann brüllt er manchmal durch den Raum. Danach ist es kurzzeitig ruhig. Aber die Stille ist anders. Womöglich lernen die Kinder es bei ihm nicht, sich mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen, sondern verdrängen einfach etwas in sich, um ihn nicht wütend zu machen.

Mein Tipp nach diesen Vorfällen also: Wenn euer Kind ständig Wutanfälle bekommt. Schreit es nicht an, aber ignoriert es auch nicht ständig. Seid für es da, wenn es auf euch zu kommt. Und noch eine Einsicht ist mir dabei gekommen, ich glaube mit den Wutanfällen zeigt euer Kind, dass es sein Selbstbewusstsein entwickelt. Ich glaube zum Beispiel, dass es lernt mit seiner Freiheit umzugehen. Einerseits ist da dieser Überschwang des Wollens in ihm, andererseits eine Welt, die nur nach bestimmten Prinzipien funktioniert. Diese beiden Seiten müssen irgendwann aufeinanderprallen und sie prallen in der Wut eures Kindes aufeinander (tut mir leid für euch). Und da es ja kein Selbstbewusstsein ohne Objektbewusstsein, umgekehrt aber auch kein Objektbewusstsein ohne Selbstbewusstsein gibt, sind Wutanfälle Teil der natürlichen Entwicklung. Vielleicht hilft es auch, wenn ihr euch innerlich sagt: Sie scheint eine starke Persönlichkeit zu werden.

Na das Thema ist wohl noch endlos beschreibbar, liebe Grüße von Maja und von der wütenden mein Baby und hier noch ein paar Bilder :)

Blümchen

Löwenzahn untersuchen

Immer in der Nähe bleiben :)

Mummy + mein Baby

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Mein Baby

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  • regenrot.de

    Wie hat denn der Arzt reagiert, als das schreiende Bündel hereinkam? :D

    PS: Dieses neue Kommentarsystem ist furchtbar. Bei keinem Blog kann ich mit meiner OpenID posten. Klappt das bei Dir?

    • Anonymous

      Also beim Arzt war mein Baby natürlich ganz ruhig und hat große Augen gemacht, so dass ich wieder als Psychomutter da stand, die bei jedem Niesen glaubt, ihr Kind hat einen Gehirntumor.

      Das mit der OpenID ist bblöd. Danke, dass du mich darauf hinweist. Ich frage mich, ob das bei mir klappt. Ich habe hier nur Disquus eingebaut und bei anderen kann ich immer als Maja kommentieren. Merkwürdig… Ich werde das mal beobachten :)

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