Wie ihr eine ausgeglichene Elternschaft erreicht – Vier Tipps aus dem Pusteblumenland

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Mein Baby schleift selbstständig die Einkäufe nach Hause, ich bleibe ausgeglichen :)

Mein Baby schleift selbstständig die Einkäufe nach Hause, ich bleibe ausgeglichen :)

Während meiner Schwangerschaft sowie im ersten Babyjahr war ich ein radikales Miststück. Es fehlte nur noch, dass ich mir eine Glatze rasiere. Wenn ich Kinder gesehen habe die mit verschmiertem Schokomund ungekämmt und schlampigen Klamotten durch die Gegend liefen, habe ich teilweise an Körperverletzung durch Vernachlässigung und schlechte Ernährung gedacht. Überhaupt schon habe ich den Eltern indirekt den Vorwurf gemacht, dass ihr Kind Schokolade bekommen hat. Ich dachte, von der Brut der Zuckerjunkies gibt es ohnehin schon genug, da muss ich nicht so verantwortungslos sein und auch einen heranzüchten.

Im ersten Lebensjahr bekam mein Baby daher nichts Süßes. Keinen Saft, keine Schokolade, keine Gummibärchen, keinen Kuchen und ähnliche Genüsse. Das war asketischer als im Kloster.
mein Baby hat das sicher nicht geschadet jedoch ist es recht anstrengend immer mit Vorurteilen durch die Welt zu laufen und mit Argusaugen zu beobachten, dass da ein Kind Süßes bekommt oder ein anderes sich in einem Trotzanfall auf den Boden wirft, während die Eltern nicht ihr Leben her geben, um es zu beruhigen. Ich war da halt früher anderer Meinung. Zu viel Theorie und zu wenig praktische Erfahrung. Es ist keineswegs falsch Prinzipien zu haben und diese auch zu befolgen. Auch heute habe ich noch meine Prinzipien. Allerdings bin ich etwas von meinen überzogenen Erwartungen abgekommen.

Natürlich möchte ich, dass mein Baby nicht nur gesund, sondern auch glücklich wird. Aber wir werden hier keine Bauanleitung für das perfekte Kind finden, nirgendwo. Daher hat dieser Beitrag vielleicht nicht den durchdringenden Mehrwert und mag auf der einen oder anderen Seite als altklug wirken, dennoch vertrete ich Ansätze, versuche diese aber immer zu überdenken. Da unser Wissen begrenzt ist und wir zu wenig wissen, über die tatsächlichen Entwicklungsvorgänge halte ich starres Denken sogar für sehr verkehrt. Das wäre reiner Idealismus, aber unsere Vorstellungen und Wünsche müssen immer auf die Welt zurückbezogen sein und das heißt auch, wir müssen schauen, welche Ansätze sich für uns am besten bewähren und welche wir am besten umsetzen können. Deswegen bin ich auch offen für Kritik.

Was heißt das nun praktisch? Nun weder glaube ich, dass vollständiges laissez-faire, aber auch autoritäre Erziehung vielleicht in bestimmten Momenten anwendbar sind, aber nicht auf alle Situationen verallgemeinerbar. Die Konzepte, die wir im Kopf haben, sollten immer auf den spezifischen Moment bezogen und abgewogen werden. mein Baby kann zum Beispiel bei einem Tobsuchtanfall ihren Gefühlen freien Lauf lassen und sich richtig austoben. Sie muss nicht fürchten, dass Mama sie danach weniger liebt. Umgekehrt aber, lasse ich sie nicht in jedem Moment grundlos quengeln und drücke dann auch wieder meine Missbilligung von ihrem Verhalten aus. Wie beim Kochen macht es hier die richtige Mischung der kleinen, aber doch wichtigen Gewürze und dafür gibt es keine Rezeptur, an die wir uns immer halten können. Wenn wir zum Beispiel in die 3 Sterne-Küche schauen (und damit meine ich nicht die Kochs im Fernsehen), so sehen wir zum Beispiel, dass die Rezeptur bereits in Abhängigkeit vom Wetter geringfügig verändert wird, das Essen abgezirkelt wird. Es ist ein ständiges Reagieren auf die Umstände und so ist es sicher auch mit der Erziehung.

Gefühle müssen sich entwickeln und zwar in zwei Richtungen. Einerseits müssen wir Gefühle zulassen können, um ein emotionales Gleichgewicht zu erhalten; andererseits können wir nicht alle Gefühle zulassen, da wir unserer Umwelt gegenüber nicht vollkommen asozial agieren können.

Ebenso verhält es sich mit Süßkram. Kinder sind Schleckermäuler. mein Babys Augen gehen über vor Glück, wenn sie eine Schokolade nur aus der Ferne sieht. Wie können wir den Umgang mit Süßem erlernen? Nun, als candy-addictet, als Zuckeropfer weiß ich das auch nicht genau. Und natürlich wie der Affe würde das Kind die ganze Zeit sich zuckern. Wir müssen also darauf achten, dass der Speiseplan ausgewogen ist und das Kind den richtigen Umgang mit Zucker erlernt. Von ein bisschen Süßem am Tag wird das Kind nicht an der (Insulin-) Nadel hängen  oder mit komplett weggefaultem Gebiss beim Zahnarzt sitzen (vorausgesetzt die Zähne werden geputzt).

Es geht also, um eine Ausgeglichenheit der Ansätze, die wir nur selbst erforschen und zur Anwendung bringen, vorausgesetzt wir hören auch auf andere Ansätze. Wir müssen selbst schauen, wie wir die Erziehung angemessen gestalten und müssen uns bewusst sein, dass wir es immer noch etwas besser machen können. Wir sollten uns aber vor Radikalisierungen hüten und ich hoffe das mit meinen Beiträgen deutlich zu machen. Deswegen mag der eine oder andere meine Beiträge als altklug kritisieren, in diesem Falle erkennt er aber nicht, wie gerade diese Darstellung ein Ringen, um die Frage nach der richtigen Erziehung ist. Tatsächlich habe ich die Dinge früher anders gesehen und wusste viele Dinge nicht, die für andere als selbstverständlich erscheinen. Dass ich mich aber in dieser Hinsicht damit auseinandersetze, sollte eher für mich als gegen mich sprechen.

Nun gut, dennoch biete ich euch mal ein Tipps an und ihr könnt und müsst natürlich selbst entscheiden, ob ihr diese Einsichten teilt oder nicht. Wenn ihr sie bereits teilt, wird es euch als selbstverständlich erscheinen. Ich denke aber nicht, dass das in irgendeiner Weise mit intellektuellem Niveau zu tun hat, sondern mit der Art wie unser Umfeld gestrickt ist und wir diesen Ansätzen bereits begegnet sind.

1. Hinfallen
Wenn Kinder hinfallen hat die Mutti automatisch das Bedürfnis, alles stehen und liegen zu lassen, um ihr Kind zu retten. Dabei ist meistens nichts passiert und das Kind rappelt sich von alleine wieder auf. Wenn nun in so einem harmlosen Fall Mutti gleich wie eine Wilde wie irre zu ihrem Kind rennt (als wäre Sommerschlussverkauf bei H&M), so ist es doch nicht ungewöhnlich, dass sich das Kind denkt “Ohje, jetzt ist was schlimmes passiert” und anfängt Zeter und Mordio zu schreien. Also bei einem harmlosen Bautz lieber einmal abwägen, wie sehr du Panik verbreitest, bevor du dich ins Tal der Tränen stürzt.

2. Süßkram
Kinder und Zucker sind ein Dreamteam. Es weiß jeder logisch denkende Mensch, dass ausschließlich Süßigkeiten keine gute Ernährung sind. Erbsenzählerei ist allerdings auch nicht so das wahre. Es wird ja auch nicht jeden Tag gleich viel gegessen mal mehr mal weniger. Wichtig ist nur zwischendurch auch immer wieder mal etwas Banane oder Tomate anbzuieten. So wird von jedem etwa gegessen und man hat nicht so ein schlechtes Gewissen. Falls euer Kind nicht so gerne Gemüse isst, habe ich hier einen Tipp, wie ihr das Gemüse verstecken könnt.

3. Zubettgehzeiten
Der Wunsch nach Muttis Feierabend ist nach einem Tag unentwegten Spielens, Herumlaufens und Tröstens groß. Viele sagen sich dann, ob das Kind nun müde ist oder nicht “Das Kind muss ins Bett”. Dabei ist es für Kinder zumeist schöner, wenn sie selbst entscheiden dürfen, wann sie schlafen gehen möchten. Es bringt ja auch nichts, wenn sie dann die Decke anstarren. Ich erinnere mich noch an meine Kindergartenzeit als ich beim Mittagsschlaf kein Auge zubekam und apatisch die Decke anstarren musste.
Daher bin ich auch schon hin und wieder wach geblieben und habe mein Baby spielen lassen, obwohl wir beide am nächsten Morgen früh raus mussten. Ich sehe das entspannt, sie würde nicht jeden Abend bis in die Puppen spielen. Spätestens am nächsten Abend holt sie dann ihren verpassten Schlaf nach.

4. Verbotene Dinge
Es gibt Dinge die dürfen Kinder generell nicht haben, weil sie einfach zu gefährlich sind, zum Beispiel Messer, Äxte und Spritzen. Es gibt aber auch Dinge die sollen Kinder nicht haben oder die sind nicht geeignet für Kinderhände zum Beispiel Muttis Porzellan. Aber es ist auch nicht immer schlimm, wenn Kinder etwas kaputt machen könnten. Die Wirkung ihrer selbst auf die Welt, ist eine wichtige Erfahrung und da ist es vielleicht auch wichtig, mal etwas kaputt zu machen, um diese Wirkung abschätzen zu lernen. Ich glaube das Kinder, die überhaupt nichts dürfen, später zum berüchtigten Elefanten im Porzelanladen oder zum Igel in der Kondomfabrik werden. Da nun einen Kompromiss zu finden, ist nicht immer einfach.

Wenn ihr zum Beispiel Zeit habt, dann setzt euch zu eurem Kind und zeigt ihm das es den jeweiligen Gegenstand im Rahmen des Dabeiseins haben darf, wenn es aber damit in der nächsten Ecke verschwinden will, dann nehmt es wieder an euch. Manchmal wollen Kinder auch Dinge haben, die ihr ungerne abgebt, die aber eigentlich nicht gefährlich sind zum Beispiel eine Postkarte, vielleicht ist die Erfahrung aber wichtig?

Soviel also dazu, ich wäre froh, wenn ihr kommentieren würdet, ob es euch etwas zu Einsichten verholfen hat, denn ich möchte lernen, wie ich einen Mehrwert für euch produzieren kann. Also wenn ihr diesen Artikel bereits bis zum Ende durchgehalten habt, dann schafft ihr es auch zu kommentieren oder auf Facebook zu sharen ;)

Hier gibt es nun noch ein bisschen aus unserem Babyalltag:

Gestern war es so schön warm. Da hatten wir nicht so viel Lust etwas Aufwändiges zu kochen. Also entschieden mein Baby und ich uns für Omelett mit Spinat und Kräuterbaguette. Uns fehlte natürlich der Spinat und das Baguette und wenn man schon mal dabei ist etwas einzukaufen, kann man auch gleich noch eine Tafel Schokolade mitnehmen. mein Baby hat dann auf dem Nachhauseweg gezeigt, dass sie eine kleine hilfsbereite Person ist – ohne wenn und aber. Auch Mutti durfte es ihr nicht ausreden. So wurde zuerst das Baguette und dann der gesamte Einkauf im Beutel übernommen. Der Beutel war zwar etwas groß für mein Baby aber das macht ja nichts. So einen Beutel kann man ja auch prima hinter sich herziehen. Und warum das ganze gute Essen eigentlich nur für sich behalten? mein Baby wollte unsere Nachbarn, besser gesagt alle Nachbarn auf ihrem Weg zum Essen einladen. Sie schleifte den Beutel vor jede fremde Wohnungstür. Nur nicht vor unsere eigene. Irgendwann schauten die Nachbarn schon aus dem Fenster, was ich denn da mache und überhaupt das arme Kind und das gute Essen. So entschied ich nach einem weniger fruchtbaren Dialog mit mein Baby und längeren Debatten , dass es besser ist sie plus Einkäufe nach Hause zu tragen. Andernfalls hätte ich ein Zelt aufbauen müssen. Das war zwar nicht in mein Babys Plänen vorgesehen, was sie auch lauthals äußerte, aber ab und an muss auch ein kleiner Sturkopf mal einsichtig sein.

Also sharen nicht vergessen und

Alles Liebe

Eure Maja

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