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Wie Babys spielerisch essen lernen / Baby-led weaning

Im Park finden sich viele tolle Stöcke.

Im Park finden sich viele tolle Stöcke.

Kennt ihr das auch von eurem Baby? Mein Baby wollte sich lange nicht füttern lassen; es verweigerte die kontrollierte Breifütterung durch das Mamatier. Immer wenn die herzensgute Mama den Löffel in Nähe des Babymunds brachte, das heißt, die Schuchubahn kommen ließ oder die Landeerlaubnis für Tante Pauline einholen wollte, drehte mein Kind störrisch wie ein Esel den Kopf zur Seite. Ich hatte Angst, dass mein Baby verhungert oder am Ende mit einer Magensonde ernährt werden muss, denn über neun Zehntel eines Tellerinhalts verteilten sich regelmäßig auf dem Hochstuhl, auf dem Boden, auf dem Lätzchen, auf dem Körper und ganz besonders schön in den Haaren meines Babys. Zwar habe ich schon viele ungewöhnliche Haarkuren vorgestellt, aber Lebensmittel gehören meiner bescheidenen Auffassung weiterhin in Babys Bauch. Nach dem Essen war mein Baby dann entsprechend von oben bis unten eingesaut. Besonders nach Tomatensoße sah das Wohnzimmer oftmals so aus als hätte die Mafia ein Massaker verübt (Bildschlagzeile: “Tomatenmarc schlägt wieder zu”). Mein Baby sah zudem aus wie der Schlächter von Hagen.

Baby schulte also Mutti zur professionellen Raumpflegerin um und ich und Sagrotan schrubbten  abends die guten Möbel. Nennt mich Frau Misses Proper, mir fehlte nur noch die Glatze.

Was macht das Mamatier dann?

Bei all den Breifütterungsversuchen machte ich einen entscheidenden Fehler: Ich dachte mein Baby, müsste von jetzt auf gleich mit dem Essen beginnen. Ich erwartete, dass sie sich sofort füttern lassen will. Dies übt auf die Babys allerdings Zwang aus und da sie sich gerade in ihrer Freiheit entwickeln, reagieren sie mit erstem Trotz.

Da viele Eltern dies nun nicht richtig verstehen, tritt ein Teufelskreis ein. Sie denken, sie müssten die Kinder zum Essen zwingen und haben das Gefühl, die Kinder würden dies andernfalls nicht lernen und schließlich verhungern. Mir ging es ähnlich:

Kurz vom Kleinkindalter trat mein Baby in den Hungerstreik. Mein Mamainstinkt übernahm meine Gedanken: Wie soll mein Baby nun groß und stark werden? Wird es jemals Mrs. Universum werden? Nach einem weiteren, frustrierenden Abendessen, bei dem ich mein Baby mit selbstgekochten Brei vollschmierte und ich wieder mit Baby auf dem Rücken (in der Babytrage) mein Sofa putzte, wollte ich etwas an meiner Verhaltensweise ändern. Ich wollte mein Baby nicht zwangsernähren und suchte etwas, dass ihr Freiheit gibt. Ich befragte als das Orakel von Google.

Im Internet fand ich einen Forenbeitrag, in dem eine hilflose Mutter ebenfalls über ihren Fütterverweigerer besorgt war. Der Beitrag klang ein bisschen nach: ” Hilfe mein Baby lässt sich nicht füttern, muss es jetzt per Magensonde zwangsernährt werden”? Die Antworten auf ihre Frage gingen von “Mit Gewalt geht alles” über “Lass es mal Hungern, dann sieht es, was es davon hat” bis zu “lass dein Baby doch selber essen”. “Kann ein Baby denn schon selber essen?”, fragte ich mich. Ich forschte diesem nach und stieß auf Baby-led weaning.

Was ist Baby-led weaning?

Baby-led weaning ist heute das Thema bei der Testmama. “Baby-led weaning”  das bedeutet soviel wie: Das Baby isst selbst, benutzt dazu seine eignen Hände und lässt sich keine Flugzeuglöffel für Tante Emma in den Mund stopfen. Das Ziel von Baby-Led-Weaning ist, das Baby langsam und selbstbestimmt an das Essen heranzuführen. Es soll sich ganz langsam daran gewöhnen und selbst entscheiden können, was es wie isst. Das Ziel ist nicht Stillmahlzeiten zu ersetzen, wie es normalerweise bei den Breigläschen der Fall ist, sondern einfach nur ein erstes Kosten zu ermöglichen und die Stillbeziehung wie gewohnt weiter zu führen.

Kinder wollen auch Matsche mit allen Sinnen erfahren.

Kinder wollen auch Matsche mit allen Sinnen erfahren.

Ziele des Baby-led weaning

Das Ziel ist ganz simpel: Es gibt keine radikalen Schnitte und ihr fördert das Baby in seiner Selbstständigkeit, ihr stärkt Babys Vertrauen und gewöhnt es langsam ans Essen. Eigentlich hatte ich dies schon mal gemacht:  Als mein Baby noch ein Krümel war, im zarten Alter von vier Monaten gab ich ihr stets kleine Stücke Brokkolie, Gurken, Möhren und Brokkoli. Diese Stücke bearbeitete mein Baby dann nach der Spinnen Methode. Sie besabberte das Gemüse ausgiebig und weichte es so langsam auf. Das hört sich natürlich sehr lecker an.

Dennoch hatte ich einige unbegründete Ängste. Als erste vollwertige Baby-led weaning Mahlzeit hatte ich ein Stück Brokkoli und etwas Möhre weich gekocht, als Nachtisch stand ein Stück Apfel auf dem Speiseplan. Doch ich hatte Angst, dass sich mein Baby daran verschlucken könnte. Wie ihr allerdings wisst, lebt mein Baby noch. Das Alleine-Essen zeigte sich als die richtige Methode. Mein Baby schüttelte oftmals energisch mit dem Kopf, wenn ich den Löffel selbst in die Hand nahm. Mein kleiner Spatz wollte vor allem selbst essen. Sie hatte eine Aufgabe, auch wenn es für sie eine motorische Großaufgabe war den Löffel vom Teller in Richtung Mund zu bringen. Meistens verlor sie die Stücke unterwegs oder schaffte es nicht, mit dem Löffel den Mund zu treffen. Dies veranstaltete zwar immer noch eine Schweinerei und ich bin immer noch Mrs. Propper, aber mein Baby wurde ein glücklicher, selbstständiger Esser.

Baby-led weaning macht Babys viel Spaß  und Eltern bereitet es viel Freude, ihrem Sprössling die verschiedenen Dinge aufzutischen und zu beobachten, wie sich bei der süßen Banane das Gesicht erhellt und beim sauren Rhabarber und saure Gurke in einer Babygrimasse verzieht. Babys experimentieren und entscheiden, was sie essen, lasst ihnen schon dort die kleine Freiheit und zwingt sie nicht in ein Regelkorsett. Dies lernen sie auch noch später und zwar dann, wenn es notwendig ist. Lasst euer Kind gar mit dem Essen etwas spielen.

Darf Essen Spielzeug sein und womit spielt mein Baby gerne?

Das Spiel mit dem Essen sieht die Kriegsgeneration nicht gerne. Daher ist in vielen Familien immer noch aufessen angesagt. Natürlich sollten wir nicht mit dem Essen verschwenderisch umgehen, aber vielleicht fangen wir damit bei uns an und nicht bei den Babys? Ich denke das Spiel gehört für Babys einfach dazu, denn sie müssen das Essen nicht nur mit dem Geschmackssinn erproben, sondern sie wollen auch mit ein paar anderen Sinnen das Essen spielerisch erforschen. Mein Baby hat bis zu ihrem ersten Lebensjahr sehr intensiv mit dem Essen gespielt, aber ich erkannte ihre Neugier in der unbekannten Materie und es war irgendwie klar für mich, dass sie nicht mit der Absicht Erbsenfußball spielt, um mich zu ärgern. Mäuschen hat beim Essen viel gelacht und es war mir eine Freude ihr dabei zuzusehen. Mit zunehmenden Alter kam auch manchmal ein etwas rebellischer Spieltrieb auf, der die Erbsen zum Zwecke der Aufmerksamkeit als Fußball benutzte, aber darüber sah ich hinweg.

Letztlich schauen sich die Kinder die Tischmanieren von uns Großen ab, wir müssen sie nicht dazu zwingen oder erziehen. Mein Kind ist immer noch ein relativ freier Esser, sie rennt gerne beim Essen rum und das Essen wird auch immer noch gerne mit der Hand gegessen. Essen ist immer noch eine Art Kinderspiel für sie, aber so langsam neigt sie sich den Knigge Regeln. Zum Beispiel isst sie immer öfter unaufgefordert mit der Gabel und dem Löffel und bleibt an ihrem Platz. Besonder süß ist es, wenn sie etwas verschüttet und die Küchenrolle holt, um das sauber zu machen. Nach dem Essen macht sie sich immer unaufgefordert die Hände mit der Küchenrolle sauber, ohne dass ich sie jemals dazu aufgefordert hätte.

Ich hoffe der Beitrag hat einigen von euch geholfen. Wie habt ihr dies gehandhabt? Wenn euch der Beitrag gefällt, dann hinterlasst mir ein Feedback. Auch Kritik wäre schön, wie ich meine Beiträge vielleicht besser schreiben kann. Wenn euch der Beitrag allerdings so wie er ist gefällt, dann könnte ihr ihn gerne bei Facebook empfehlen ;)

Alles Liebe

Eure Maja

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