Regeln sind was für Bequeme – Wie wir vor allem durch Vorleben erziehen

Von Pusteblumenbaby. Abgelegt unter Mama und Selbsterziehung  |   
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Die bedürfnisorientierte Säuglingspflege räumte mit einem eisernen Erziehungsgesetz auf. In dem Glauben aufgewachsen, dass wir nur unbedruckte Seelenplatten wären, hatten moderne Gesellschaften versucht, ihre Kinder zu prägen. Ohne viel Verständnis für die Psyche und die Folgen der dramatischen Einwirkungen auf die Seele, begannen Eltern bald schon ihre Kinder zu Zucht und Ordnung prügeln zu wollen. Schlagen war stets eine Abkürzung, die kurzfristige Erfolge versprach. Gleichsam aber entwickelte sich die Pädagogik. Bald wurde dem Lehrer das Züchtigungsrecht in den Schulen entzogen. Lehrer mussten bald ohne dieses “Erziehungsmittel” auskommen.

Was die Leher aber in den Schulen vertraten, konnten viele Eltern zu Hause noch nicht verstehen. Wie sollte eine Erziehung ohne die Abkürzung der “bloßen” Ohrfeige auskommen. Dass Kinder vielleicht auch ohne Erniedrigung lernen, war für sie nicht vorstellbar. Auch heute noch schlagen über 51 Prozent der Eltern ihre Kinder (derartige Artikel erscheinen beim Spiegel natürlich im Panorama, als wäre das Thema beiläufig am Rande unserer Gesellschaft zu behandeln und schlichtweg boulevardesk).

Die Bildungsferne der Erziehung schlägt sich auch noch in vielen Auffassungen nieder. Während sogar für Hunde teilweise schon Führerscheine verlangt werden, sind Kinder nur der mütterlich allwissenden Liebe übergeben. Mütter wüssten schließlich am besten, was gut für ihre Kinder ist und Kindererziehung ist vor allem eine Lebensauffassung und damit vor allem Privatsache. In dieser Auffassung sind Studien dabei oft nur Teufelszeug, zumeist von der Industrie gefälscht, um uns schlicht nur Dinge zu verkaufen. Eindeutige Befunde diskutieren die Mütter dann gerne weg, dass es bei ihnen aber anders war. Am besten weiß die Mutter schließlich noch selbst, dass ihr Kind beispielsweise trotz Nicht-Stillen dennoch etwas geworden ist. Geschlagene haben so beispielsweise auch immer gelernt zu parieren. Das Wissen liegt in der Hybris des allwissenden Mutterstücks, das nur ein verlängerter Arm des Weltalls der Liebe ist und damit nicht falsch liegen kann. Am Ende fehlt unserer Gesellschaft ein gutes Stück Willen zur Aufklärung.

Der Alltag kann das Mutterglück nicht mehr überraschen und so überschütten dann Eltern ihre Kinder mit Regeln, die vor allem sie aus ihrem unerschöpflichen Wissen für richtig halten. In diesem Sinne befremden dann Konzepte, bei denen Kinder eben ohne den allwissenden Erziehergott, dennoch ihre Fähigkeiten erlernen. Aus diesem Grunde bin ich Roland Kopp-Wichmann sehr dankbar, dass er mich auf einige gute Beispiele in seinem Blog zur Persönlichkeitsentwicklung verwiesen hat. Am Beispiel der Hundeerziehung leitet er ein, dass es nicht um die Erziehung der Hunde geht, sondern um die Erziehung der Besitzer. Es ist schon faszinierend, dass auch Hundeerziehung mittlerweile ohne Züchtigung auskommt. Auch Bestrafungen spielen eine untergordnete Rolle. Im Gegenteil Strafen ist häufig sogar kontraproduktiv und lässt verzweifelte Hundebesitzer zurück, die mit ihren selbstgezüchteten Biestern dann überfordert sind. Über Hundetrainer schreibt Kopp-Wichmann:

“Er ändert jetzt aber nicht das Verhalten der Hunde, sondern er trainiert die Besitzer!”

Mein Kind ist nun selber Puppenmutti und stellt eigene Regeln für ihre Plüschfreunde auf.

Mein Kind ist nun selber Puppenmutti und stellt eigene Regeln für ihre Plüschfreunde auf.

Kopp-Wichmann verweist in diesem Zusammenhang auf den Geigenlehrer Shinichi Suzuki, der Kindern das Geigenspiel bereits im Alter von 3 bis 4 Jahren beibringen konnte und diese dann bereits als Orchester auftreten ließ. Die Idee war simpel: Nicht die Kinder erlernen das Geigenspiel, sondern in erster Linie die Eltern, woran sich dann die Kinder orientieren. Dies halte ich für die richtige Methode: Nicht die Kinder sollten im Mittelpunkt der Erziehung stehen, sondern die Eltern, denn sie haben sich für Kinder entschieden. In diesem Sinne verstehe ich auch meinen Weblog zur Erziehung, was viele immer nicht richtig verstehen. Es geht darum sich von mütterlich, subjektiven Perspektiven zu lösen und nicht zu glauben, alles richtig zu machen. Dies glaube ich im Übrigen auch nicht, aber ich ziele auf positive Veränderung ohne dabei ein spezielles Konzept wie das Continuum Konzept oder Attachment Parenting überhöhen zu wollen.

Nun muss ich natürlich eines gestehen, meine Tochter ist mit ihren zwei Jahren noch sehr jung. Die Idee das Kinder Regeln brauchen, kann ich daher noch nicht genau beurteilen, da sie einfach noch nicht vielen Regeln im Alltag folgen kann. Wie sieht es aber aus, wenn sie später ins Bett soll, um nicht bis in die Puppen Fernsehen zu schauen? Nun Norbert Denef von netzwerkB berichtete mir, dass er sich damals entschied, den Fernseher mit seiner Frau zu verkaufen und stattdessen abends viel mit den Kindern sprach und ihnen Geschichten vorlas. Er ist mit positiver Selbsterziehung als Beispiel vorangegangen. Als ich ein Kind war, wurde ich abends auch oft zu Bett geschickt, was ich selbst als unfair empfand. Stattdessen habe ich dann heimlich unter der Bettdecke bis in die Puppen gelesen, was meiner Müdigkeit keinen Abbruch tat.

Vielleicht aber liegt das Problem woanders? Wenn ich weiß, dass den nächsten Tag etwas wichtiges folgt, dann gehe ich selbst früh schlafen, um mich für die Sache entsprechend vorzubereiten. Ich bin zwar zumeist aufgeregt und kann dann ohnehin nicht richtig schlafen, aber ich versuche in gewisser Weise Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht können Kinder die Schule heutzutage nicht mehr richtig ernst nehmen? Tatsächlich sind dies zumeist nur Regelinstitute, die Kinder mit Noten drangsalieren aber nicht mit wichtigen Aufgaben konfrontieren. Auch hier verweist Kopp-Wichmann sehr schön auf das Problem mit den Noten. Mit Verweis auf Suzuki schreibt er:

“Suzuki hält diese Prüfungen für Unfug, weil sie nichts über die Fähigkeiten des Schülers oder Studenten aussagen. Sie verraten etwas über die Fähigkeiten des Lehrers.”

Das es auch auf die Fähigkeiten des Lehrers ankommt, zeigt ebenfalls ein Experiment in Schweden. Dort haben sieben “super” Lehrer eine der schwächsten, schwedischen Schulklassen innerhalb von fünf Monaten zu eine der besten Klassen in ganz Schweden gemacht.(Quelle: http://www.presseportal.de/pm/7861/1753000/auf-die-lehrer-kommt-es-an)

Nicht also die Schüler stehen mit ihren Fähigkeiten im Mittelpunkt, sondern der Gedanke des Lehrers, dass Schüler mit dem richtigen Vorbild alles lernen können. Gleiches gilt für Eltern. Wir sind nun Vorbilder und gerade unsere Kleinen achten noch, was wir tun. Daher kann auch nur das Vorleben Regeln tatsächlich begründen (wenn sie denn nicht schlichtweg eingeprügelt sind). Die Eltern müssen sich nach den Bedürfnissen der Kinder richten, was ich ja auch mit den meisten Idealen des Attachement Parenting propagiere. Ganz eisern bin ich dabei natürlich nicht, weil ich auch noch einiges für mich herausfinden muss, aber ich denke, dass ich dort von den Pädagogen noch einiges lernen kann. Deswegen schließe ich auch mit einem Zitat von Kopp-Wichmann:

“Heute müssen sich Kinder eher nach den Bedürfnissen der Eltern richten, als dass die Eltern auf die Bedürfnisse der Kinder achten. Seinem Kind geduldig etwas beizubringen, stärkt diese Bindung enorm. Das muss nicht Geige spielen sein. Vorlesen, Singen, Basteln,  Malen, Backen, Gärtnern und vieles andere eignet sich genauso gut.”

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Gemeinsamkeit mit den Kinder ist also das Ziel und nicht die autoritäre Distanz von vorgefertigten Regeln.

Alles Liebe

eure Maja

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  • http://nachtsrosa.blogspot.de/ nachtsrosa

    Durchaus : ) 
    Es ist interessant, so etwas noch mal bei verschiedenen Quellen lesen zu können. 
    Klar und logisch ist es ja nämlich schon. Ich meine das alleine ganz stark bei mir und Freunden feststellen zu können, so im Vergleich, wenn man darüber nachdenkt, wieso betreffende Person dies und jenes so und so macht.
    Und das in allen möglichen Bereichen…zum Beispiel Ernährung. Ich finde es eher lächerlich, wenn Eltern Kindern zbsp Süßigkeiten verbieten -wie zbsp die Schwester meines Freundes- und im selben Zug sich scheinbar nur von Süßigkeiten ernähren. Das ist absolut paradox. 
    Und mir leuchtet es auch nicht ein, warum ich dem Kind etwas verbieten sollte, was ich mir selber gönne? Warum soll das Kind keine Schoki essen dürfen, ich aber schon? 
    Bei mir gab es nie derartige explizite Verbote und ich glaube, besser hätte es kaum sein können. Zumindest was gewisse Bereiche anbelangt.
    Auch das mit der Schule/Lehrern ist wohl wahr. Und daher um so schwieriger : / 
    Das derzeitige gängige Schulsystem ist nun mal recht schlecht. Und sagt überhaupt nichts aus. 
    Nur was will man machen? Eine alternative Schule? Ist ja auch nicht alles so leicht.
    Ich muss sagen, dass ich meine Schulzeit als überaus negativ in Erinnerung habe. Rein, was das System betrifft.
    Ich habe insgesamt drei Mal das Gymnasium gewechselt und am Ende war ich nur noch entsetzt, was für absolut krasse Unterschiede da sind. Und wie absolut für’n Popes das Ganze ist. Gymnasium ist nicht Gymnasium, Abitur ist nicht Abitur und wäre letzteres nicht zumeist formale Bedingung für weitere Zukunftsmöglichkeiten, so wäre das bei mir prompt als Klopapier umfunktioniert worden.

    Der letzte Satz ist übrigens sehr schön ; )
    (bin übrigens die, die hier letztens das ein oder andere Mal als “gänseblümchen” geschrieben hat. Dachte, ich lege auch mal einen Blog an, da mich zbsp windelfrei (als ob das alles wäre x) ) selber interessiert und ich gespannt bin, wie es laufen wird)

  • Basinus Orang

    Hallo Maja!

    Ich lese hier seit einer ganzen Weile schon mit viel Freude deine Beiträge.

    Mich würde mal eine Sache interessieren: Lügst du dein Kleinkind an?
    Mir stellt sich schon seit einer Weile die Frage, ob es OK ist wenn ich ein Kind anlüge. Denn immerhin bin ich seine Vertrauensperson und so würde ich doch eigentlich etwas negatives vorleben. Die Frage kam auf, als es darum ging: Soll ich meinem Kind erzählen es gäbe einen Osterhasen/Weichnachtsmann/Nikolaus oder soll ich es nicht tun? Viele meinen es würde nichts ausmachen wenn ich in diesem Fall lüge, die Kinder würden das schnell wieder vergessen und es sei auch einfach schön… Aber irgendwie gefällt mir das nicht. Ich habe schon viel rumüberlegt wie man das verpacken könnte, ohne das ich lügen muss. Bisher bin ich immernoch ratlos. Vielleicht hast du ja Lust etwas dazu zu schreiben.

    Mach weiter so und euch beiden alles Gute!

    LG