Brauchen wir starke Typen in der Erziehung? Zur Initiative “Mehr Männer in den Kitas”

Von Pusteblumenbaby. Abgelegt unter Mamas Erziehung  |   
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Brauchen wir starke Typen?

Brauchen wir starke Typen?

Männer haben irgendwie schon für Kinder eine andere Rolle. Deswegen sind schon für Kindergartenkinder Männer immer irgendwie ein Mysterium. Auch Mama-Schlaflos verweist darauf, dass sie ihre Kinder ja eigentlich nur den Briefträger und den Bauarbeiter wirklich kennen. Jungs umschwärmen Bauarbeiter, da  Bauarbeiter etwas bauen und Jungs bauen gerne. Weiter geht es in der Grundschule, wo dann Lehrerinnen immer mal gleich den Morgenkreis einberaumen, weil Leon und Kèvin sich wieder gerauft haben. Unser Erziehungssystem ist tatsächlich mit Frauen überschwemmt. Nun könnten wir vermuten, wo sollen eigentlich unsere Jungs lernen, was es bedeutet ein richtiger Mann zu sein?

Eine Initiative folgt nun, die dieses Bild gerade rücken möchte. Männer, jawohl richtige Männer, sollen sich in Kitas engagieren und vor allem die weiblichen Erzieherinnenherzen beglücken:

Warum aber wollen wir männliche Idole in den Kitas? Glauben wir denn noch immer an die prägenden Geschlechterdifferenzen, wonach Männer die harte Leidenschaft am Drang zur Konstruktion prägen und Frauen die Gefühle und nötige Wärme vermitteln? Mir fallen gleich so viele Männer ein, die nach dem Video einfach nicht für diese Kitaarbeit geeignet sind, weil sie sowieso total verweichlicht sind. Sie sind keine starken Typen, sondern würden Kinder eher verweiblicht erziehen (wenn es so etwas gibt). Eine kurze Recherche ergab, dass die Magazine hier eigentlich nur die gleichen Auffassungen verbreiteten. So unterscheidet sich die Artikel vom Spiegel und von der Emma nur durch leichte kritische Noten, wirken aber so, als hätten beide voneinander abgeschrieben:Emma: http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2012/winter-2012/kindergaertner-seid-ihr-echte-maenner/Spiegel: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,822877,00.html

Wie viel Weiblichkeit braucht die Erziehung?

Wie viel Weiblichkeit braucht die Erziehung?

Nun gut wir müssen also Rollenklischees sprengen, heißt dann der gemeinsame Tenor. Frauenberufe müssen besser bezahlt werden und Erziehung sollte das Image von Frauenarbeit verlieren. Männer müssen aber angeblich auch in die Kita, damit das andere, das Wirkliche in die Betriebsamkeit der Tagesstätten Einzug hält. Warum sollten dies allerdings Frauen nicht auch vermitteln können, was es heißt stark und gefestigt zu sein?

Wenn wir für Gleichberechtigung sind, so sollten wir dafür argumentieren, dass Frauen und Männer auch Ähnliches können. Das Problem liegt nur zumeist darin, dass Frauen sich tatsächlich für andere Dinge interessieren. Selbst beim Bloggen wird dies schon offensichtlich. Zunächst gibt es mehr weibliche Blogger als männliche. Während nun aber Männer vor allem über politische Fragen, Wirtschaft und Computer bloggen, bloggen Frauen über Privates. Themenseiten sind ihnen eher fremd. Da gibt es dann noch den ein oder anderen Mode- oder Babyblog, aber in der Regel vermischen sich Thema und Privates. Frauen sind keine Nischenunternehmer und auch ich gehöre wohl mit diesem Blog nicht gerade in die Kategorie “Emanzipation”. Dennoch glaube ich, dass der Erzieherberuf kein typisch weiblicher Beruf ist, sondern ein Beruf mit hoher Verantwortung, der eigentlich ein Studium benötigen würde. Zuviel der guten Absichten bei den Erzieherinnen, aber zu wenig des guten Wissens, lassen oft erschreckende Methoden übrig. Bei einer Freundin zwang die Erzieherin kürzlich ihr Mädchen alle verhassten Gurken irgendeiner Suppe auf einen Löffel, damit das Mädchen die Gurken nicht meklig neben den Teller lege. Die Folge: Das Mädchen hat sich vor versammelter Mannschaft neben den Tisch übergeben.

Nun die Erzieherin arbeitet immer noch in dem Kindergarten. Doch unabhängig davon Erzieher machen Fehler wie auch Eltern. Wir sind nicht perfekt, weil wir noch so wenig über Erziehung wissen. Gerade aber diese Einsicht lässt uns stetig und konsequent über unsere Erziehung nachdenken und so auch auf die speziellen und sich verändernden Bedürfnisse der Kinder reagieren. Genau dies brauchen wir in Kitas.

Genau hier brauchen wir eben keine konservativen Vorbilder wie es das Ministerium Schröder formuliert, sondern eine Gesellschaft die genau gleichberechtigt ist. Der Grund also, warum auch Männer in den Kita Beruf sollten, ist nicht weil Kinder mehr technische Überlegungen brauchen oder starke Typen, die ihnen das Klischee vom starken an der Umwelt orientierten Mann geben, sondern weil Erziehung eine Sache ist, die eben auch Männer genauso wie Frauen angeht. Zugleich sollte es ein Appel an die weiblichen Erzieher sein, nicht zu sehr auf ihren Klischees zu beharren und sich ebenso männlichen Themen zu widmen. Wenn dies geschieht, dann ist es letztlich egal, ob wir Männer oder Frauen in den Kitas haben. Was letztlich dann noch bleibt, ist die Kritik am Verdienst. Aber Vorsicht: Ich kritisiere nicht die geringen Verdienstmöglichkeiten, sondern verurteile die Unmöglichkeiten jemals in einem Erzieherberuf über den Erzieherberuf hinaus zu kommen und damit den Erzieherberuf als Karrieremodell zu verstehen. Einmal Erzieher immer Erzieher.

Aber nochmal: Starke Typen brauchen wir. Wer möchte bitte schön, dass zum Beispiel Soldaten Erzieher werden, damit sie Kindern idolisiert von unseren Kriegen in Afghanistan berichten? Sicher ein heikles Thema, aber ich denke die angebliche Stärke und Dominanz von purer Männlichkeit ist ein Auslaufmodell (vor allem in der Erziehung) und ich kenne genügend Männer, die sich wesentlich sensibler mit der Welt auseinandersetzen. Die Initiative der Bundeswehr bildet nun dennoch Bundeswehrsoldaten zu Erziehern aus, wohl auch damit endlich wieder Zucht und Ordnung in unseren Tyrannenhaufen einkehrt: http://www.vielfalt-mann.de/fileadmin/user_upload/mik_hamburg/galerie/Newsletter/April2011_Newsletter_MMiK.pdf

Alles Liebe

eure Maja

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  • guest

    “ich kritisiere nicht die geringen verdienstmöglichkeiten” warum nicht? ich schon.. ist verdammt wenig.. wäre ich alleinerziehend ..ich könnte auch mit vollzeit stelle kaum überleben…. und keine aufstiegschancen? ja wohin denn auch?
     vielleicht sollte man eher das bild der gesellschaft auf die erzieher ändern aber das wird wohl nicht passieren.. wir werden immer die bleiben die ja nur mit den kindern spielen….und bei denen dampf abgelassen wird…  werden angemeckrt von eltern warum ihr kind bei 20 grad barfuß im sand saß.. wie unverantwortlich.. und daraufhin dafür verantwortlich gemacht das das kind 2 wochen später einen schnupfen hat *augen roll*

  • guest

    und ach ja.. aus erfahrung kann ich sagen.. männer werden in diesem beruf  in dieser hinsicht niemals von müttern angemotzt.. auch alle anderen beschwerden gehen immer an die weiblichen kollegen egal auf wen/was sie sich beziehen… da geht sie hin die schöne vorstellung von der gleichstellung im beruf

  • http://www.babys-und-schlaf.de/ Mamaschlaflos

    Hallo Maja,

    ich verstehe gar nicht warum du unter “starken Männern” Soldaten  verstehst und wie kommst du auf die Idee, die seien mehr für die Erziherinnen da? Der Spot kommt für mich keinesfalls so herüber… Auch der Ausdruck “starke Kinder” bedeutet ja nicht, dass diese Kinder besonders hart draufhauen können. Das “stark” meint doch hier eher selbstbewusst, vielleicht auch gefestigt, geradlinig o. ä.

    Und solche Männer (wie natürlich auch Frauen) braucht es zur Kindererziehung und damit auch in den KiTas. Männer sind keineswegs die “besseren” Erzieher oder besser dafür geeignet Jungs zu erziehen.

    Grundsätzlich denke ich aber, dass sich kleine Kinder, nachdem sie sich ihres Geschlechts bewusst geworden sind, schon danach unterscheiden wer in ihrer Umgebung Mann oder Frau ist. Einfach um ihren Platz zu finden, Kinder sehen das ähnlich wertfrei wie die Unterscheidung von groß und klein, dick und dünn, schwarz und weiß. Und genau in dieser Phase bekommen Sie die unterschiedlichen Rollenmodelle mit: Frauen sind Erzieher, Verkäuferinnen etc. Männer sind Bauarbeiter, Feuerwehrmänner u. ä.

    Und da die Gesellschaft diese Berufe völlig unterschiedlich wertet, “färbt” diese Wertung auch auf Männer und Frauen ab. Feuerwehrmänner haben einfach den aufregenderen Beruf, verglichen mit Kassiererinnen. Bauarbeiter sind in der Regel “stark”, matschen bei Wind und Wetter, buddeln in der Erde ;-) Wer kann das nicht toll finden?

    Und genau deswegen ist es wichtig, dass es auch männliche Erzieher gibt – starke Erzieher. Die kleinen Jungs allein durch ihre Anwesenheit zeigen: das kannst du auch!

    Und auch bei Mädchen würde das starre Rollenbild, dass sich noch durch viele Berufsgruppen zieht “aufweichen”.

    In diesem Sinne wünsche ich mir starke Vorbilder für starke Kinder