Brauchen wir starke Typen in der Erziehung? Zur Initiative “Mehr Männer in den Kitas”
Von Pusteblumenbaby. Abgelegt unter Mamas Erziehung |Schlagwörter: Kindererziehung
Männer haben irgendwie schon für Kinder eine andere Rolle. Deswegen sind schon für Kindergartenkinder Männer immer irgendwie ein Mysterium. Auch Mama-Schlaflos verweist darauf, dass sie ihre Kinder ja eigentlich nur den Briefträger und den Bauarbeiter wirklich kennen. Jungs umschwärmen Bauarbeiter, da Bauarbeiter etwas bauen und Jungs bauen gerne. Weiter geht es in der Grundschule, wo dann Lehrerinnen immer mal gleich den Morgenkreis einberaumen, weil Leon und Kèvin sich wieder gerauft haben. Unser Erziehungssystem ist tatsächlich mit Frauen überschwemmt. Nun könnten wir vermuten, wo sollen eigentlich unsere Jungs lernen, was es bedeutet ein richtiger Mann zu sein?
Eine Initiative folgt nun, die dieses Bild gerade rücken möchte. Männer, jawohl richtige Männer, sollen sich in Kitas engagieren und vor allem die weiblichen Erzieherinnenherzen beglücken:
Nun gut wir müssen also Rollenklischees sprengen, heißt dann der gemeinsame Tenor. Frauenberufe müssen besser bezahlt werden und Erziehung sollte das Image von Frauenarbeit verlieren. Männer müssen aber angeblich auch in die Kita, damit das andere, das Wirkliche in die Betriebsamkeit der Tagesstätten Einzug hält. Warum sollten dies allerdings Frauen nicht auch vermitteln können, was es heißt stark und gefestigt zu sein?
Wenn wir für Gleichberechtigung sind, so sollten wir dafür argumentieren, dass Frauen und Männer auch Ähnliches können. Das Problem liegt nur zumeist darin, dass Frauen sich tatsächlich für andere Dinge interessieren. Selbst beim Bloggen wird dies schon offensichtlich. Zunächst gibt es mehr weibliche Blogger als männliche. Während nun aber Männer vor allem über politische Fragen, Wirtschaft und Computer bloggen, bloggen Frauen über Privates. Themenseiten sind ihnen eher fremd. Da gibt es dann noch den ein oder anderen Mode- oder Babyblog, aber in der Regel vermischen sich Thema und Privates. Frauen sind keine Nischenunternehmer und auch ich gehöre wohl mit diesem Blog nicht gerade in die Kategorie “Emanzipation”. Dennoch glaube ich, dass der Erzieherberuf kein typisch weiblicher Beruf ist, sondern ein Beruf mit hoher Verantwortung, der eigentlich ein Studium benötigen würde. Zuviel der guten Absichten bei den Erzieherinnen, aber zu wenig des guten Wissens, lassen oft erschreckende Methoden übrig. Bei einer Freundin zwang die Erzieherin kürzlich ihr Mädchen alle verhassten Gurken irgendeiner Suppe auf einen Löffel, damit das Mädchen die Gurken nicht meklig neben den Teller lege. Die Folge: Das Mädchen hat sich vor versammelter Mannschaft neben den Tisch übergeben.
Nun die Erzieherin arbeitet immer noch in dem Kindergarten. Doch unabhängig davon Erzieher machen Fehler wie auch Eltern. Wir sind nicht perfekt, weil wir noch so wenig über Erziehung wissen. Gerade aber diese Einsicht lässt uns stetig und konsequent über unsere Erziehung nachdenken und so auch auf die speziellen und sich verändernden Bedürfnisse der Kinder reagieren. Genau dies brauchen wir in Kitas.
Genau hier brauchen wir eben keine konservativen Vorbilder wie es das Ministerium Schröder formuliert, sondern eine Gesellschaft die genau gleichberechtigt ist. Der Grund also, warum auch Männer in den Kita Beruf sollten, ist nicht weil Kinder mehr technische Überlegungen brauchen oder starke Typen, die ihnen das Klischee vom starken an der Umwelt orientierten Mann geben, sondern weil Erziehung eine Sache ist, die eben auch Männer genauso wie Frauen angeht. Zugleich sollte es ein Appel an die weiblichen Erzieher sein, nicht zu sehr auf ihren Klischees zu beharren und sich ebenso männlichen Themen zu widmen. Wenn dies geschieht, dann ist es letztlich egal, ob wir Männer oder Frauen in den Kitas haben. Was letztlich dann noch bleibt, ist die Kritik am Verdienst. Aber Vorsicht: Ich kritisiere nicht die geringen Verdienstmöglichkeiten, sondern verurteile die Unmöglichkeiten jemals in einem Erzieherberuf über den Erzieherberuf hinaus zu kommen und damit den Erzieherberuf als Karrieremodell zu verstehen. Einmal Erzieher immer Erzieher.
Aber nochmal: Starke Typen brauchen wir. Wer möchte bitte schön, dass zum Beispiel Soldaten Erzieher werden, damit sie Kindern idolisiert von unseren Kriegen in Afghanistan berichten? Sicher ein heikles Thema, aber ich denke die angebliche Stärke und Dominanz von purer Männlichkeit ist ein Auslaufmodell (vor allem in der Erziehung) und ich kenne genügend Männer, die sich wesentlich sensibler mit der Welt auseinandersetzen. Die Initiative der Bundeswehr bildet nun dennoch Bundeswehrsoldaten zu Erziehern aus, wohl auch damit endlich wieder Zucht und Ordnung in unseren Tyrannenhaufen einkehrt: http://www.vielfalt-mann.de/fileadmin/user_upload/mik_hamburg/galerie/Newsletter/April2011_Newsletter_MMiK.pdf
Alles Liebe
eure Maja










